Regionale Ereignisse

2018201920202021

<leer>31.12.2020<leer>Bilanz des Jahres: 2020 zweitwärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen – Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,4 Grad ist das zu Ende gehende Jahr das zweitwärmste in Deutschland seit Beginn von Wetteraufzeichnungen. Nur das Jahr 2018 war um 0,1 Grad wärmer. Die fünf wärmsten Jahre überhaupt sind alle in den letzten sieben Jahren aufgetreten. Vor allem sind die deutschen Wälder vom Klimawandel betroffen, Fachleute vermuten, dass hierzulande 285.000 Hektar Wald wieder aufgeforstet werden müssen – eine Fläche, die größer ist als das Saarland. Der Deutsche Wetterdienst geht in seinen Klima-Vorhersagen davon aus, dass die Tendenz zu einem weiter anhaltenden Temperaturanstieg sogar noch zunehmen könnte.
Nach Angaben des EU-Erdbeobachtungsprogramms Copernicus war der November der Monat mit den weltweit bislang höchsten je gemessenen Temperaturen.
Treibhausemissionen gesunken – Nach Angaben des Umweltbundesamtes sind die CO2-Emissionen 2020 um 40,8 Prozent seit 1990 zurückgegangen – das sind rund 70 Millionen Tonnen oder 8,7 Prozent weniger als 2019. Fortschritte gab es dabei in allen Bereichen, besonders in der Energiewirtschaft. Die verfügbaren Daten zeigen aber auch, dass gut ein Drittel der Minderungen auf die Folgen der Bekämpfung der Corona-Pandemie zurückzuführen ist, vor allem im Verkehrs- und Energiebereich. Ohne die derzeitige Corona-Pandemie würde der Rückgang nur bei etwa 25 Millionen Tonnen liegen. Wohl nur aufgrund dieser Pandemie wurde das Ziel, 40 Prozent weniger CO2 auszustoßen als 1990, erreicht. „Zwei Drittel der Emissions-Einsparungen in 2020 waren nicht mehr als zufällige Nebeneffekte der Corona-Politik“, kommentierte eine Fridays for Future-Sprecherin die Zahlen.
Stickstoffdioxid-Grenzwert nur noch in wenigen Städten über dem Grenzwert – 2020 wurde der Jahresmittelgrenzwert für Stickstoffdioxid (NO2) von 40 µg/m³ Luft voraussichtlich nur noch an rund drei bis vier Prozent der verkehrsnahen Messstationen überschritten. 2019 waren es noch 21 Prozent. Das zeigt eine vorläufige Auswertung der Messdaten der Länder und des Umweltbundesamtes (Stand 01.02. 2021) von bislang rund 400 Messstationen.
Umweltbundesamt zieht gemischte Bilanz – Der „Umweltmonitor 2020“ des Umweltbundesamtes (UBA) zeichnet ein gemischtes Bild zum Zustand der Umwelt in Deutschland. Der Umweltmonitor bildet zehn zentrale Themenfelder von Klima, Wasser, Luft bis hin zu Flächenverbrauch und Lärm mit jeweils drei Schlüsselindikatoren ab. Gab es bei der Luftqualität oder den Treibhausgasen zuletzt Verbesserungen, stehen andere Indikatoren schlecht da. „Kurzfristige Verbesserungen wie zum Beispiel gesunkene Treibhausgasemissionen dürfen nicht vergessen lassen, dass es noch erheblichen Handlungsbedarf im Umweltschutz gibt, zum Beispiel beim Zustand der Gewässer“, sagt UBA-Präsident Dirk Messner. Im Themenfeld Wasser zeigt der Umweltmonitor in allen drei Indikatoren „rot“ an. Nur sieben Prozent der Flüsse sind in einem guten ökologischen Zustand, das Ziel der ⁠ Wasserrahmenrichtlinie wird damit weit verfehlt. Auch beim Themenfeld Fläche und Land-Ökosysteme zeigt der Umweltmonitor Orange- und Gelbschattierungen. Der Anstieg der Siedlungs- und Verkehrsfläche soll bis 2030 auf 20 Hektar pro Tag begrenzt werden. Von 2015 bis 2018 wurden durchschnittlich 56 Hektar pro Tag für Siedlungs- und Verkehrsfläche neu in Anspruch genommen. Bei Fortsetzung des Trends der letzten Jahre würde das Ziel bis 2030 erreicht werden. Doch die Ökosysteme an Land sind gefährdet. Im Themenfeld ⁠ Klima ⁠ stehen die Indikatoren „Heiße Tage“ und „Globale Lufttemperatur“ auf Rot. Zwar sind zuletzt die Treibhausgasemissionen gesunken, der Corona-Effekt war jedoch groß. Vor allem im Verkehrsbereich sei wieder mit steigenden Emissionen zu rechnen. →https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/daten-zur-umwelt-2020

<leer>30.11.2020<leer>Bayerns Naturparkfläche wird größer – Teile der Ammergauer Alpen wurden von der Bayerischen Landesregierung unter Naturschutz gestellt. Ein etwa 5.000 Hektar großer natürlicher Wald rund um die 2185m hohe Kreuzzspitze bleibt damit sich selbst überlassen. Mit dem Vorhaben wird eine Vereinbarung zwischen CSU und den Freien Wählern konsequent fortgesetzt, das letztlich auf die erfolgreiche Bürgerinitiative „Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen“ zurückgeht (vgl. z.B. Meldung von 17.07. 2019). Letztlich sollen zehn Prozent der staatlichen Forsten Bayerns unter Schutz gestellt werden – etwa die dreifache Fläche des Nationalparks Bayerischer Wald. Kleinere Flächen, u.a. im Spessart und Steigerwald, sollen noch hinzukommen.

<leer>27.10.2020<leer>Verpackungsverbrauch 2018 weiter gestiegen – In Deutschland fielen 2018 insgesamt 18,9 Millionen Tonnen Verpackungsabfall an. Das sind 0,7 Prozent mehr als noch 2017. Pro Kopf entspricht dies durchschnittlich 227,5 kg Verpackungsabfall. Seit 2010 ist der Verpackungsverbrauch damit um 17,9 Prozent gestiegen. Das zeigt ein Bericht des Umweltbundesamtes (UBA) zu Aufkommen und Verwertung von Verpackungen in Deutschland. Private Endverbraucher verursachen von der Gesamtmenge 47 Prozent, also über 8,9 Millionen Tonnen oder 107,7 kg pro Kopf. Das sind 1,0 Prozent mehr als im Vorjahr und 20,6 Prozent mehr als 2010.
Vom gesamten Verpackungsabfallaufkommen wurden 69 Prozent dem Recycling zugeführt, der Rest wurde größtenteils energetisch verwertet. Die erreichte Recyclingquote variiert bei den unterschiedlichen Materialien. Vergleichsweise hoch ist sie bei Glas (83,0%), Papier/Karton (87,7%), Stahl (91,9%) und Aluminium (90,1%). Bei Kunststoffen (47,1%) und Holz (25,3%) ist jedoch noch viel Recyclingpotential vorhanden. Die Ursachen für den hohen Verpackungsverbrauch sind vielfältig. Ein wesentlicher Treiber sei das Wirtschaftswachstum, denn mehr Produkte führten auch zu mehr Verpackungen.

<leer>08.10.2020<leer>Artensterben: Ehemalige „Allerweltsarten“ vom Aussterben bedroht – Auf der vom Bundesamt für Naturschutz gemeinsam mit dem Rote-Liste-Zentrum aktualisierten sogenannten „Roten Liste“ stehen nun auch Säugetierarten, die bislang zahlreich in Deutschland vertreten waren. Stark gefährdet sind inzwischen nicht nur Feldhamster und Fledermaus, sondern auch Feldhase und Luchs oder auch der Steinbock. Inzwischen führen 41 Prozent der hier vorkommenden Säuger ein Nischendasein und werden als selten bis extrem selten eingestuft. Die Ursachen dafür sind längst bekannt und werden dennoch nicht ernsthaft angegangen: immenser Flächenverbrauch von täglich (!) 10.000m² für Bebauung sowie die Intensivlandwirtschaft und damit die Vernichtung des Lebensraums für die übrigen Mitbewohner des Planeten.

<leer>29.09.2020<leer>Pflanzenschutzgifte verbreiten sich weit über Äcker hinaus – Einer von Bio- und Umweltorganisationen erstellten Studie zufolge verbleiben die durch die Landwirtschaft verbreiteten Pestizide nicht allein auf den mit ihnen besprühten Böden, vielmehr verbreiten sie sich auf dem Luftweg weit darüber hinaus und seien sogar in Städten wie auch in Nationalparks nachweisbar. Allein zwölf unterschiedliche Gifte zählten die Studienteilnehmer selbst auf dem Brocken – der höchsten Erhebung des Harzes –, berichteten sie bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse in Berlin. Man wisse gar nicht, welche Auswirkungen ein solcher „Cocktail von unterschiedlichen Giften“ auf die Natur habe, kommentierte Bundesumweltministerin Svenja Schulze die Studie. Begegnen müsse man dem bei der Zulassung von Pestiziden sowie mit einer deutlichen Reduktion beim Eintrag in die Böden.

10.08.2020Dramatische Schäden in deutschen Wäldern – 2019 wiesen 78 Prozent der Bäume in Deutschland Schäden auf; es war der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen und weit schlechter als zu jener Zeit, als „Le Waldsterben“ in den französischen Wortschatz einging. Inzwischen hat sich die Lage weiter verschlimmert, insbesondere aufgrund einer seit drei Jahren andauernden Dürre. Hinzu kommen ständige Erwärmung, damit einhergehend Schädlingsbefall und dadurch verursachte Krankheiten. 2018 und 2019 waren extreme Dürrejahre, der Frühling 2020 war viel zu trocken, der Sommer brachte zu wenig Regen, wenngleich der Süden Deutschlands stellenweise mit Hochwasser zu kämpfen hatte. Doch in vielen Regionen im Norden und Osten blieb es dennoch zu trocken. Was einst als Patentrezept galt, scheint nun nicht mehr erfolgreich zu sein: Buchenmischwälder statt Fichten. Selbst die tief wurzelnden Buchen können nicht mehr genug Wasser aus dem Boden ziehen.

<leer>29.07.2020<leer>Erneuerbare Energien wachsen weiter – Die erneuerbaren Energien haben ihre Position im deutschen Strommix im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr deutlich ausgebaut. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten 2020 etwa 138 Milliarden Kilowattstunden erneuerbarer Strom erzeugt und damit rund acht Prozent mehr als im 1. Halbjahr 2019 (plus etwa 10 Milliarden kWh). Das zeigen die Daten der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik (AGEE-Stat). Damit setzt sich der Anstieg der Vorjahre weiter fort. Weil gleichzeitig aufgrund der Corona-Krise der Stromverbrauch gesunken ist, wuchs der Anteil der erneuerbaren Energien am Brutto-Stromverbrauch deutlich und lag in den ersten sechs Monaten des Jahres erstmals bei etwa 50 Prozent – ein Anstieg um etwa sechs Prozentpunkte, nachdem der Anteil im ersten Halbjahr 2019 noch bei 44 Prozent lag.
Quelle: Umweltbundesamt

29.07.2020CO2: Grenzwertüberschreitungen in Städten deutlich reduziert – Nach vom Umweltbundesamt herausgegebenen Daten wurden die Grenzwerte für die CO2-Belastung in Städten im Jahr 2019 nur noch von 25 (statt zuvor 57) Städten nicht eingehalten – ein Erfolg, den sich nicht zuletzt die Deutsche Umwelthilfe auf ihre Fahnen schreiben kann. Der Verband hatte etliche Städte mit Klagen überzogen, die er kein einziges Mal verloren hat. Allerdings, so das Umweltbundesamt, sei dieser Erfolg nicht allein darauf zurückzuführen: die Erneuerung auf weniger umweltschädliche Fahrzeuge, Software-Updates und vor allem auch kommunale Luftreinhaltepläne hätten maßgeblich mit dazu beigetragen. Das mindert die Bemühungen der Deutschen Umwelthilfe keineswegs: Vielerorts nämlich mussten erst durch die hartnäckigen Klagen der Organisation etliche Kommunen zur Einsicht gebracht werden.

<leer>28.07.2020<leer>Deutschlands Restmüll hat sich in 35 Jahren fast halbiert – In Deutschland fällt derzeit noch rund halb so viel Restmüll an wie vor 35 Jahren, verglichen mit den alten Bundesländern. Das zeigt eine aktuelle Analyse von Siedlungsrestabfällen in Deutschland für das Umweltbundesamt. Die letzte solche Erhebung war 1985 erstellt worden. Viel mehr Wertstoffe wie Glas, Papier und Plastik werden heute getrennt gesammelt. Dennoch enden noch immer viele Wertstoffe in der Restmülltonne, obwohl sie dort nicht hingehören. Bioabfälle machen mit durchschnittlich 39 Prozent den größten Teil davon aus. In städtischen Regionen enthalten die Tonnen insgesamt mehr Restmüll und auch mehr Wertstoffe als in ländlichen Gebieten und Vororten.
Ein Drittel aller Bioabfälle werden noch immer über den Hausmüll entsorgt. Mit rund 39 Prozent besteht der größte Teil des Restmülltonneninhalts aus Bioabfällen. Dazu gehören Küchen- und Nahrungsabfälle, Gartenabfälle, sonstige organische Abfälle wie Kleintierstreu aus Stroh/Heu sowie gefüllte oder teilentleerte Lebensmittelverpackungen. Die wichtigsten Bioabfälle in Hinblick auf eine Verwertung sind die Nahrungs-, Küchen- und Gartenabfälle mit einer jährlichen Menge von rund drei Millionen Tonnen.

<leer>13.07.2020<leer>Elektroschrott: Deutschland verfehlt 2018 EU-Sammelquote von 45 Prozent knapp – 853.000 Tonnen Elektroaltgeräte wurden im Jahr 2018 laut Umweltbundesamt (UBA) in Deutschland gesammelt. Dies entspricht einer Sammelquote von 43,1 Prozent, womit Deutschland das EU-Sammelziel von 45 Prozent leicht verfehlt. Um die ab 2019 für Deutschland geltende Sammelquote von mindestens 65 Prozent zu erreichen, braucht es ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Werden Altgeräte falsch entsorgt – etwa in der grauen oder gelben Tonne – gehen wertvolle Rohstoffe verloren. Außerdem können Schwermetalle in die Umwelt gelangen. Das Bundesumweltministerium plant eine Änderung des Elektro- und Elektronikgerätegesetzes, das unter anderem auch Maßnahmen zur Steigerung der Sammelmenge vorsehen soll.

<leer>03.07.2020<leer>Fast Food-Einwegmüll teilweise endlich verboten – Nach längerem Zögern hat die Bundesregierung Einsehen gezeigt und es anderen Staaten gleichgetan: sie verbietet Einwegprodukte aus Kunststoff. Darunter fallen insbesondere Plastikbestecke und -teller, Trinkhalme und Wattestäbchen sowie insbesondere auch Lebensmittelbehälter und Getränkebehältnisse aus Styropor. Allein die im öffentlichen Raum entsorgten Müllmengen können damit um schätzungsweise zehn bis 20 Prozent reduziert werden.

<leer>01.07..2020<leer>Umweltbundesamt: Fleischersatz auf Pflanzenbasis mit bester Umweltbilanz – Das Umweltbundesamt hat in einer Studie „Fleisch der Zukunft“ untersucht, welche Auswirkungen Fleischersatzprodukte auf Umwelt und Gesundheit haben und welche Rolle sie in einer zukünftigen Ernährung spielen könnten. Fleischersatz auf pflanzlicher Basis, zum Beispiel aus Soja, Weizen oder Erbsen, schneidet laut der Studie aus Umweltsicht am besten ab. Im Vergleich zu Rindfleisch entstehen dabei bis zu weniger als ein Zehntel der Treibhausgase und ein Vielfaches geringerer Wasserverbrauch und Flächenverbrauch. Etwas schlechter schneidet Fleischersatz auf Insektenbasis ab. Die Studie attestiert solchen Ersatzprodukten grundsätzlich ein hohes Potential, sieht aber große Hemmnisse bei den politischen Rahmenbedingungen und der Akzeptanz.

19.05.2020Bericht zur Lage der Natur: Intensivlandwirtschaft verursacht größte Schäden – Der von der Bundesregierung alle sechs Jahre vorgelegte „Bericht zur Lage der Natur“ zeichnet erwartungsgemäß ein düsteres Bild zum Zustand der Natur in Deutschland. Hauptverursacher dieser Entwicklung sei „ganz eindeutig die intensiv betriebene Landwirtschaft“, erklärt die zuständige Bundesumweltministerin Svenja Schulze dazu. Dies werde schon dadurch deutlich, weil in anderen Bereichen ohne solch intensiv betriebene Bewirtschaftung – den Alpen beispielsweise – noch halbwegs intaktere Lebensräume vorhanden seien als anderswo. Insbesondere die Bewohner offener Landschaften haben besonders zu leiden. So seien die Bestände von Feldlerchen, Rebhühnern und Kiebitzen in den vergangenen 25 Jahren um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Zwar haben sich auch einige wenige Vogelpopulationen etwas erholen können, jedoch vor allem die von der Landwirtschaft halbwegs unbehelligt gelassenen Waldbewohner.
Was für die Vogelwelt zutreffe, gelte auch für die Welt der Insekten, so die Leiterin des Umweltbundesamtes, Beate Jessel. Auch Schmetterlinge, Käfer und viele andere Arten kämpfen überall dort ums Überleben, wo Landwirtschaft intensiv betrieben werde.

26.04.2020Anhaltende Hochdruckgebiete über Mittel- und Nordeuropa: Waldbrände und Ernteausfälle befürchtet – Wegen der seit vielen Wochen anhaltenden Trockenheit infolge beständigen Hochdrucks steigt die Gefahr erheblicher Ernteausfälle deutlich an. Landwirte sehen sich durch die aktuell grassierende Corona-Pandemie zudem mit dem Ausfall saisonaler Erntehelfer konfrontiert. Da der Boden auch in tieferen Schichten massiv ausgetrocknet ist, können kurzzeitige Niederschläge nur wenig Entlastung bringen, zumal das Wasser wegen des harten Bodens kaum ins Erdreich einzudringen vermag und der größte Teil oberflächlich abfließt. Nötig wären nach Einschätzung von Fachleuten lang anhaltende Regenfälle, die aber bislang nicht zu erwarten sind. Forstwirte befürchten schon jetzt eine ähnlich große Waldbrandgefahr wie im letzten Jahr; Meterologen warnen in ihren Wettervorhersagen bereits davor. Nur noch 22 Prozent des Baumbestandes seien nicht geschädigt – ein gefundenes Fressen für Borkenkäfer und andere Holzbewohner.

09.04.2020Wirtschaftssektor Umweltschutz: Beschäftigtenanzahl steigt beständig – Gut 2,8 Millionen Menschen waren im Jahr 2017 in Deutschland im Umweltschutz tätig. Das zeigt ein Bericht „Beschäftigung und Umweltschutz“ des Umweltbundesamtes (UBA). Die Bedeutung des Umweltschutzes für den Arbeitsmarkt ist demnach in den letzten Jahren weiter gestiegen: 2010 arbeiteten noch 5,9 Prozent aller Beschäftigten für den Umweltschutz, 2017 waren es bereits 6,4 Prozent (von insgesamt rund 44,3 Millionen Erwerbstätigen).
Besonders dynamisch wuchsen die umweltorientierten Dienstleistungen: zwischen 2016 und 2017 um 2,9 Prozent (zum Vergleich: Der allgemeine Zuwachs der Erwerbstätigkeit lag in diesem Zeitraum bei 1,3 Prozent). Mit 1,5 Millionen Beschäftigten bzw. 56 Prozent aller Arbeitsplätze im Umweltschutz entfiel auf die umweltorientierten Dienstleistungen 2017 der größte Teil der Umweltschutzbeschäftigung. In diesen Bereich gehören beispielsweise das Energie- und Gebäudemanagement, der Handel mit Ökoprodukten, die Vermarktung von Strom aus erneuerbaren Quellen, der ökologische Landbau oder auch umweltorientierte Finanzdienstleistungen wie die Finanzanlage unter ökologisch-ethischen Gesichtspunkten.

06.03.2020Klimapaket verfehlt knapp die Ziele – Die Zielwerte der Bundesregierung vom September 2019, gegenüber dem Jahr 1990 55 Prozent klimaschädliche Emissionen bis 2030 einzusparen, werden nicht erreicht. Dies haben Experten errechnet, die mit ihren Prognosen um wenige Prozent unter den Zielwerten liegen. Nach wie vor bleibt der größte Problembereich der von Minister Andreas Scheuer (CSU) geleitete Verkehrssektor. Die Experten gehen davon aus, dass das selbst gesteckte Ziel um bis zu 33 Millionen Tonnen überschritten wird. Scheuer, der schon etliche hundert Millionen bei der Pkw-Maut zu Lasten der Steuerzahler verbraten hat, will nun sogar noch einmal mit einem eigenen Gutachten die Exper­ten-Gut­achten überprüfen lassen. Cem Özdemir (Grüne), Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag, bezeichnete Scheuer „als Luftbuchungsminister Nummer eins“.

02.03.20202019/2020: Zweitwärmster Winter seit Beginn der Aufzeichnungen – Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes war der zu Ende gehende Winter der zweitwärmste seit dem Jahr 1881, als mit regelmäßigen Aufzeichnungen begonnen wurde. Aufgrund „extrem milder“ Luftströmungen aus Südwesten sei es vielerorts zu einem „Totalausfall“ gekommen. Im Vierteljahreszeitraum von Dezember bis Februar stieg die Temperatur um 3,9 Grad gegenüber dem Referenzwert, der aus den Jahren von 1961 bis 1990 gebildet wird, an.

28.02.2020Neue Berechnungen: Tempolimit auf Autobahnen mindert CO2-Emissionen deutlich – Ein generelles Tempolimit auf Bundesautobahnen könnte die Treibhausgasemissionen jährlich je nach Ausgestaltung um 1,9 bis 5,4 Millionen Tonnen verringern. Das ist das Ergebnis aktueller Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA). Dirk Messner, Präsident des UBA: „Ein Tempolimit auf Autobahnen hilft uns, die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Deutschland zu senken. Bei Tempo 120 km/h liegen die Einsparungen bei 2,6 Millionen Tonnen jährlich. Selbst ein Tempolimit von 130 km/h reduziert die Emissionen bereits um 1,9 Millionen Tonnen – und zwar sofort und praktisch ohne Mehrkosten.“ Für ein Tempolimit von 100 km/h ergäben sich sogar jährliche Treibhausgasminderungen in Höhe von 5,4 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalenten.
Die Berechnungen des UBA basieren auf aktuellen Verbrauchsdaten von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen. Zudem wurden Daten der Bundesanstalt für Straßenwesen zu Geschwindigkeiten auf Autobahnen herangezogen.
Gerade der Verkehrssektor habe seit 1990 wenig zum Klimaschutz beigetragen. Hier müsse jede Möglichkeit genutzt werden, erst recht, wenn diese nahezu kostenlos und sofort umsetzbar ist, so Messner. „Ein Tempolimit auf Autobahnen hilft aber nicht nur dem Klima , sondern senkt auch die Lärm- und Schadstoffemissionen und erhöht die Verkehrssicherheit.“

06.02.2020Entwicklungsministerium arbeitet jetzt klimaneutral – Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) hat jetzt mitgeteilt, dass seine Verwaltung ab sofort klimaneutral arbeitet. Dies habe ein unabhängiges Gutachten bestätigt. Klimaschädliche Emissionen werden dabei zwar nicht vollständig vermieden, jedoch durch Klimaschutzprojekte kompensiert. Damit erfüllt erstmals ein Ministerium die Vorgaben des im Dezember beschlossenen Klimaschutzgesetzes, welches für alle Ministerien verbindlich ist.

05.02.2020Plastikmüll: Umweltverbände fordern drastische Maßnahmen – Umweltverbände, darunter Greenpeace, die Deutsche Umwelthilfe und die Deutsche Meeresstiftung, fordern in einem 15 Punkte umfassenden Katalog die Bundesregierung auf, drastische Maßnahmen zur Eindämmung der Verwendung von Kunststoffen zu ergreifen. Plastik zähle zu den größten ökologischen Belastungen, das achtlose Wegwerfen müsse dringend gestoppt werden. Die Verbände schlagen u.a. eine Abgabe auf besonders umweltschädliche Einwegartikel vor. Alle Einwegverpackungen sollten konsequent durch Mehrwegsysteme ersetzt werden. Gefordert werden darüber hinaus gesetzliche Vorgaben mit der Fokussierung auf Langlebigkeit, Wiederverwendung, Reparatur- und Recyclingfähigkeit. Produkte, die einfach repariert und mehrfach genutzt werden können, sollten steuerliche Vorteile genießen.
Es sind Forderungen, bei denen man sich wundert, dass die Politik nicht längst von selbst darauf gekommen ist und sie unbürokratisch durchsetzt oder zumindest ihre Durchsetzung auf EU-Ebene vorantreibt. Dass die Verpackungshersteller solche Ansinnen nicht gutheißen und von „Plastik-Bashing“ sprechen, sollte niemanden verwundern.

05.02.2020Bank-Chef: „Klimakrise kann zu einer Bankenkrise führen.“ – Der Vorstandschef der ökologisch ausgerichteten GLS-Bank, Thomas Jorberg, warnt seine Kollegen auf einer Bilanz-Presse­konfe­renz davor, die Transformation hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise auch im Finanzsektor zu verschlafen. „Wir haben zu viel Geld und zu wenig Sinn“, so Jorberg. Und: Jede Investition in die Klima­gas-Branche sei „hochgradig ausfallgefährdet.“ „Wenn die Banken jetzt nicht anfangen, die Emissionen ihres Kerngeschäfts in den Bilanzen zu berücksichtigen, werden die Kosten der Umstellung zu erheblichen Risiken führen“, warnt der Vorstandssprecher. „Wenn alle Unternehmen so wirtschaften würden, wie die von uns finanzierten Unternehmen, dann könnte die Erderwärmung bis 2050 auf ca. 1,5 Grad begrenzt werden“, ergänzt GLS Bank-Vor­ständin Aysel Osmanoglu. Osmanoglu weiter: „Es ist für Banken entscheidend, dass sie nicht nur ihren Stromverbrauch oder ihr Altpapier zählen. Fürs Klima zählt ihr Kerngeschäft.“ Die GLS Bank hat deshalb ganzheitliche Zukunftsbilder für ihre Kernbranchen entwickelt.

05.02.2020Siemens-Hauptversammlung: Klima-Akti­visten verschaffen sich Rederecht – Geschäftserfolge versus Klimaschäden – unter solchen Gegensätzen stand die diesjährige Hauptversammlung des Sie­mens-Kon­zerns in München. Sie­mens-Chef Joe Kaeser, der zuvor schon keinen leichten Stand bei der Verteidigung einer Geschäftspolitik hatte, die sich an extrem klimaschädlichen Investitionen in Australien beteiligt, musste zudem noch relativ schlechte Zahlen den Aktionären präsentieren (30 Prozent Minus beim operativen Gewinn). Aktionäre haben den Umweltschützern ihr Rederecht abgetreten, die daraufhin vehement den Rückzug des Konzerns von einer Beteiligung am Bau einer umstrittenen Kohlemine in Australien fordern. Doch dies hat Kaeser bereits früher abgelehnt – weil es einem Vertragsbruch gleichkäme mit erheblichen Reputationsschäden in dessen Folge.
Wer das Paris-Abkommen unterstütze, der müsse auch seine Investitionen auf dieses Ziel hin ausrichten, schimpfte die Klima-Akti­vistin Helena Marschall von der Frankfurter Fridays for Fu­ture-Gruppe in den Saal. Alles andere sei „Schönfärberei.“ Doch Kritik kommt auch von ganz anderer Seite. Die Vertreterin einer großen Investmentfirma hält das Engagement in Australien für ein „kommunikatives Desaster“, der Auftrag hätte niemals unterzeichnet werden dürfen. Als „schwer nachvollziehbar“ kritisierte auch der Vertreter eines Bankhauses den Auftrag.
Kaeser zeigte sich reuig: In einer ähnlichen Situation würde man künftig sicherlich anders entscheiden.

05.02.2020Artensterben: 7 Millionen Brutpaare weniger in Deutschland – Das Vogelsterben in Deutschland hält unvermindert an. Aufgrund von neu ermittelten Zahlen durch das Bundesamt für Naturschutz befindet sich der Zustand aller noch in Deutschland brütenden etwa 300 Vogelarten in einer äußerst kritischen Lage. So gingen allein in den vergangenen 25 Jahren von 1992 bis 2016 mehr als 14 Millionen Vögel verloren, das entspricht etwa acht Prozent der hier heimischen Arten. Zieht man einen noch größeren Zeitraum zum Vergleich heran, stellt sich die Situation nochmals verheerender dar und ergibt einen Verlust von ca. 25 Prozent. Als Hauptursachen für den anhaltenden dramatischen Rückgang führen die Vogelkundler den Verlust des natürlichen Lebensraums der Tiere an, hier vor allem in der Agrarlandschaft, und damit einhergehend den Verlust von Nahrungsquellen – nicht zuletzt von Insekten (vgl. auch →Globale Ereignisse vom 05.02. 2020).

31.01.2020Studie: Klima- und Umweltschutz bei Jugendlichen hoch im Kurs – Für junge Menschen in Deutschland ist der Schutz von Umwelt- und Klima ein Top-Thema. Die deutliche Mehrheit von ihnen ist politisch interessiert, bereit zum Engagement und vertraut auf die Demokratie. Sie erwarten, dass die Politik mehr tut für Klima und Umwelt, und dass sie dabei auf soziale Gerechtigkeit achtet. Und sie sehen vor allem bei jeder und jedem Einzelnen noch Potenzial, sich stärker umweltgerecht zu verhalten. Das sind Ergebnisse der repräsentativen Jugendstudie „Zukunft? Jugend fragen“, die das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) im Auftrag des Bundesumweltministeriums und des Umweltbundesamtes erstellt hat.
Mehr als 1.000 junge Menschen zwischen 14 und 22 Jahren haben im Frühsommer 2019 an der Repräsentativbefragung teilgenommen. Den Umwelt- und Klimaschutz benennen junge Menschen als eines der wichtigsten Probleme in Deutschland: Für 45 Prozent ist er sehr wichtig und für weitere 33 Prozent eher wichtig. Ähnlich wichtige Probleme sind der Zustand des Bildungswesens und Fragen der sozialen Gerechtigkeit.
80 Prozent der Befragten kannten zum Befragungszeitpunkt die Bewegung Fridays for Future. Rund ein Viertel hat bereits bei den Fridays for Future-Klima­streiks mitgemacht, fast alle von ihnen, nämlich 90 Prozent, können sich vorstellen, das künftig wieder zu tun. 87 Prozent der Befragten geben an, dass sie soziale Themen, wie das Zusammenleben der Menschen, Solidarität, Gerechtigkeit und Hilfe für andere sehr oder eher interessieren. Umwelt- und Klimaschutz wirkt sich aus der Sicht junger Menschen positiv auf soziale Ziele aus. So ist zum Beispiel für 65 Prozent besonders bedeutsam, dass künftige Generationen ohne ausreichenden Umwelt- und Klimaschutz durch massive Umweltprobleme belastet würden.

30.01.2020Tübingen führt Abgabe auf To Go-Geschirr ein – Der Tübinger Stadtrat hat beschlossen, im Straßenverkauf ausgegebenes Einweggeschirr mit einer Abgabe zu belegen. Verpackungen und Geschirr werden künftig 50 Cent, Besteck 20 Cent zusätzlich kosten und vom Handel erhoben. Dies betrifft so gut wie alle Händler, die Straßenverkauf anbieten. Allein für Verpackungsmüll muss die schwäbische Kommune bislang etwa 700.000 Euro an Entsorgungskosten aufwenden. Verkaufsstellen können sich von der Abgabe befreien, wenn sie ihren Müll vollständig zurücknehmen und recyclen lassen – und zwar nicht von den öffentlichen Entsorgungsbetrieben.
Damit ist Tübingen die zur Zeit einzige Kommune, die eine solche „Strafabgabe“ erhebt. Ein ähnlicher Versuch vor etwa 20 Jahren in Kassel scheiterte, weil er für verfassungswidrig erklärt wurde. Die Tübinger meinen, durch ein Rechtsgutachten jetzt auf der sicheren Seite zu stehen.

21.01.2020Dieselskandal: Software-Updates teilweise wirkungslos – Unabhängige Messungen an Mercedes-Fahrzeugen haben nach Angaben verschiedener Quellen ergeben, dass nachgerüstete Soft­ware-Up­dates für ältere Dieselautos zumindest teilweise offenbar nicht zu einer erhofften Reduzierung von Stick­oxid-Emis­sionen führen – ganz im Gegenteil: der Schadstoffausstoß stieg sogar noch an. Das Kraft­fahrt-Bundes­amt kam vor einiger Zeit hingegen zu anderen Ergebnissen.
Quelle: Frontal 21 (ZDF) / Süddt. Zeitung

21.01.2020Kohlekommission: Mitglieder distanzieren sich von der Politik – Gerade erst hatten sich Bund und betroffene Länder auf die Modalitäten zur Abschaltung von Braunkohlekraftwerke geeinigt, jetzt werfen mehrere Kommissionsmitglieder der Bundesregierung vor, die Energiewende nicht ernst zu nehmen. Die im Juni 2018 von der Regierung ins Leben gerufene sog. Kohlekommission (genau: Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung), welche Vorschläge für einen geordneten Kohleausstieg erarbeitet hat, scheint damit auseinanderzubrechen. Denn acht von insgesamt 28. Mitgliedern sehen „Buchstabe und Geist" der gemeinsamen Empfehlungen als „grob verletzt“ an, heißt es in einer Stellungnahme. Im Ergebnis sei der nun von der Politik vorgelegte Plan nicht nur klimapolitisch falsch, sondern auch energiewirtschaftlich und energiepolitisch hoch problematisch.
Eigentlich war vorgesehen, Kraftwerke zwischen 2018 und 2022 „schrittweise“ vom Netz zu nehmen. Nach dem Willen der Politik sollen die meisten Kapazitäten jedoch erst zum letztmöglichen Zeitpunkt, also 2022, stillgelegt werden. In der Zeit danach sollte nach Vorschlägen der Kommission bis 2030 eine „möglichst stetige" Verringerung der Emissionen eingeleitet werden. Auch das soll nun erst nach dem 31. Dezember 2028 geschehen, also so spät wie möglich. Nach dieser Modifizierung würden insgesamt 40 Millionen Tonnen mehr emittiert, als in den ursprünglichen Empfehlungen der Kommission festgelegt wurde.
Die Politikwissenschaftlerin, frühere Vizedirektorin der ökologischen Denkfabrik Agora Energiewende und Mitunterzeichnerin des Protests, Barbara Praetorius, sieht als eine der vier Kommissionsvorsitzenden den „gesellschaftlichen Frieden, der vereinbart worden war, leichtfertig verspielt“ und ohne entsprechende Korrekturen an der Verwässerung der Vorschläge „den von uns bisher mitgetragenen Kompromiss durch Bund und Länder aufgekündigt.“
Das Gesetz zum Kohleausstieg soll jedoch schon in einer Woche verabschiedet werden.

13.01.2020Unwort des Jahres 2019: Klimahysterie – Eine Jury aus vier Sprachwissenschaftler/inne/n und einem Journalisten hat den Begriff Klimahysterie zum „Unwort des Jahres 2019“ erklärt. Klimaschutzbemühungen und die Klimaschutzbewegung würden dadurch diffamiert und wichtige Debatten zum Klimaschutz diskreditiert. Der Ausdruck wurde 2019 von vielen in Politik, Wirtschaft und Medien – von der F.A.Z. über Unternehmer bis hin insbesondere zu AfD-Politikern – verwendet, heißt es in einer Presseerklärung. Er pathologisiere pauschal das zunehmende Engagement für den Klimaschutz als eine Art kollektiver Psychose. Vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Klimawandel sei das Wort zudem irreführend und stütze in unverantwortlicher Weise wissenschaftsfeindliche Tendenzen.

10.01.2020Siemens: 57.000 Unterschriften gegen australisches Kohle-Projekt – „Greenwashing“ werfen Klimaaktivisten Siemens-Chef Joe Kaeser vor, weil der an Australiens größter Kohlemine mitverdienen will. Der 5. Kontinent ist bereits der größte Kohleexporteur der Welt – allen Buschfeuern zum Trotz. Gleichzeitig als klimafreundliches Unternehmen auftreten zu wollen, das sei unvereinbar, muss er sich Kritik von der Umweltorganisation Urgewald gefallen lassen. Jetzt haben sich die Kontrahenten anlässlich einer bundesweiten Freitagsdemonstration an einen Tisch gesetzt. Zugleich übergaben sie in der Müncher Firmenzentrale nach eigenen Angaben 57.000 Unterschriften gegen das Projekt.
Bereits im Dezember hatten sich Klima-Akti­visten von Fridays for Future in einem Brief an Kaeser gewandt, der daraufhin versprach, über das Projekt noch einmal nachzudenken. Er sei sich der Brisanz nicht bewusst gewesen, nehme sie aber ernst, twitterte er. Allerdings: „Dass Siemens überlegt, hilft dem Klima original gar nicht“, sagte Aktivistin Luisa Neubauer nach dem Treffen. „Was wir brauchen, sind Siemens und Joe Kaeser, die handeln.“ Kaeser hätte sie gerne für seine Zwecke eingebunden, wie nach dem Gespräch herauskam: Neubauer bot er an, im Aufsichtsrat der geplanten Siemens Energy AG mitzuwirken, „damit die Jugend sich aktiv beteiligen kann“. Die lehnte dankend ab.
Drei Tage später hat Kaeser mitgeteilt, an dem Auftrag in Australien festhalten zu wollen – aus Gründen der Vertragstreue.

08.01.2020Siemens beteiligt sich an umstrittenem Kohleabbau-Projekt in Australien – Proteste der Klima-Bewegung Fridays for Future, die sich vor Siemens-Standorten in ganz Deutschland und der australischen Botschaft in Berlin einfanden, haben nichts bewirkt: Siemens-Chef Joe Kaeser gab sich zwar nachdenklich im Gespräch mit den jungen Menschen und erweckt auch sonst gelegentlich den Eindruck, den Konzern nachhaltiger gestalten zu wollen, hält aber daran fest, sich an einem umstrittenen Mammutprojekt zum Abbau riesiger Kohlevorkommen im australischen Queensland zu beteiligen. Immerhin winken 18 Millionen.
In der Nähe des bereits schwer geschädigten Great Barrier Reef ist der weltweit größte Exporthafen für Mammutschiffe im Bau, die die Kohle dann nach Indien transportieren werden. Der Konzern will die Signaltechnik für die geplante Eisenbahnverbindung zum Meer beisteuern und verdient damit an einer der größten Kohle-Abbau­stätten und Luftverpester der Welt. Das Projekt wird jährlich bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle fördern und fast 80 Millionen Tonnen Kohlendioxid produzieren – etwa ein Zehntel von dem, was in Deutschland in einem Jahr anfällt. Siemens-Chef Kaeser will die Bedenken der Kritiker „sorgfältig prüfen“, versprechen aber will er nichts.
Damit konterkariert der Weltkonzern die in Paris vereinbarten Ziele zum Schutz des Weltklimas. Auch in China ist Siemens in ähnlicher Weise tätig und rüstet derzeit ein Kohlekraftwerk mit Siemenstechnik aus. Hingegen haben sogar Großbanken aus aller Welt, darunter auch die Deutsche Bank, von dem australischen Projekt öffentlich Abstand genommen und beteiligen sich nicht an einer Finanzierung. Große deutsche Versicherungskonzerne haben sich bereits 2018 aus dem Kohlegeschäft – Abbau wie auch Kraftwerksbau – verabschiedet.