Globale Ereignisse 2019

18.08.2019Island: Erster Abgesang auf einen verschwundenen Gletscher – Wissen­schaftler haben eine Gedenk­tafel auf Island an jener Stelle errichtet, an der sich früher der Gletscher Okjökull befand. Er gilt als der erste Gletscher auf der Insel, der unwieder­bring­lich Opfer des Klima­wandels wurde. Die Forscher gehen davon aus, dass etwa 400 Gletschern durch den Klima­wandel bis 2200 das gleiche Schicksal droht. Ein einheimischer Glaziologe nennt das Verschwinden des Eises ein Omen „für das, was auf uns noch zukommen wird“. 1995 sei der Wendepunkt erreicht worden: seitdem würden die Eiszungen nicht mehr wachsen, würden die von ihm seit Jahrzehnten beobachteten Gletscher stetig an Masse verlieren.
Die Gedenk­tafel ist als „Brief an die Zukunft“ verfasst und kündet in isländi­scher und engli­scher Sprache vom Versagen heutiger Genera­tionen: „Okjökull ist der erste islän­dische Gletscher, der seinen Status für immer verloren hat. In den nächsten 200 Jahren werden alle unsere Gletscher wohl genauso verschwunden sein wie er. Diese Tafel will daran erinnern, dass wir sehr wohl wissen, was gerade geschieht, und eben­falls, was eigentlich dagegen getan werden muss. Nur ihr werdet wissen, ob wir das auch getan haben.“

17.08.2019Regenwald: Deutschland und Norwegen stoppen Zahlungen an Brasilien – Nach Deutschland hat nun auch Norwegen angekündigt, Fördergelder an den Amazon Fund angesichts der von der brasilianischen Regierung forcierten Abholzung des Regenwaldes (vgl. Meldung vom 02.08. 2019) nicht mehr auszuzahlen. Dabei geht es um Mittel von mehr als 33 Mio. Dollar; Deutschland hält etwa 35 Mio. Euro zurück. Der von beiden Ländern unterstützte Amazon Fund selbst ist davon nicht betroffen. Brasiliens Klimainstitut Inpe hatte für Juni ene Steigerung des Holzeinschlags um beinahe 90 Prozent festgestellt, im Juli sogar um fast 280 Prozent.

16.08.2019Mikroplastik mittlerweile weltweit verbreitet – Untersuchungen des Alfred-Wege­ner-Insti­tuts in Bremerhaven haben ergeben, dass Mikroplastik sich weltweit verbreitet. Es wird offensichtlich auch durch Luftströmungen in der hohen Atmo­sphäre in alle Teile der Welt getragen und fällt gemeinsam mit dem Niederschlag – Regen oder Schnee – auf die Erdober­fläche zurück. Dies ergeben Schneeproben sowohl aus der Arktis als auch aus Helgoland oder den Alpen. In Bayern wurden  im Niederschlag mehr als 150.000 Kunststoff­partikel pro Liter Schnee gemessen, in der Arktis derzeit „nur“ 14.000.
Weil die Forscher erstmals auch extrem kleine Partikel messen konnten, stellt sich nun heraus,  dass die bisherigen, sehr viel geringeren Werte keineswegs die tatsächliche Gefährdung für Umwelt und Leib und Leben wider­spiegeln. Ging man bislang davon aus, dass die Partikel vor allem durch Meeres- und niedrige Windströmungen verbreitet werden, wird man nun umdenken müssen: Mikro­plastik verhält sich offenbar ähnlich wie beispielsweise vulkanische Ausscheidungen und kann hunderte von Kilometern weit getragen werden.

09.08.2019Weltklimarat prangert Agrarwirtschaft an – Aus einem Sonderbericht des Weltklimarats IPCC geht hervor, dass etwa 23 Prozent aller Treib­hausgas-Emis­sio­nen auf die Land- und Forstwirtschaft zurückzuführen sind. Die damit verbundene steigende Erderwärmung hat mit ihren Extremwetterlagen wiederum zur Folge, dass daraus resultierende Landschafts- und Bodenzerstörungen der Landwirtschaft selbst erheblichen Schaden zufügen, sodass nicht nur die Rentabilität bäuerlicher Betriebe in Gefahr gerät, sondern die gesamte Nahrungsmittelversorgung. Die Agrarwirtschaft, so folgern die mehr als 100 Wissenschaftler aus Genf in ihrem Bericht, sägen also selbst kräftig an dem Ast, auf dem sie sitzen, wenn sie diesen fatalen Kreislauf nicht durchbrechen.
„Wenn das Land seine Funktion verliert, dann verliert es auch seine Fähigkeit, das Treibhausgas CO2 zu speichern“, so einer der Autoren des Sonderberichts. Riesige Flächen des CO2-Speichers Wald gehen derzeit durch großflächige Rodungen in Brasilien verloren (vgl. Meldung vom 02.08. 2019).

09.08.2019Neonicotinoide: Pflanzengifte auch in der Nahrungskette – Insektizide wirken offenbar nicht allein auf sog. „Schädlinge“, sondern verbleiben als Rückstände auch in den Pflanzen – in Blütenpollen und Nektar beispielsweise. Sie sind damit offenbar schädlicher als bislang angenommen. Ein spanisch-nieder­ländi­sches Wissenschaftlerteam hat nämlich beobachtet, dass der von Blatt- und Schmierläusen ausgeschiedene Honigtau mit solchen Giften belastet ist. Die kontaminierten Läuse selbst wie auch der Honigtau sind jedoch eine Nahrungsquelle für Insekten und damit eine zusätzliche, bislang unbekannte Gefahr z.B. für Ameisen, Bienen, Wespen und Schwebfliegen.
In ihrer Studie haben die Wissenschaftler Zitronenbäume mit Schmierläusen besiedelt und sie entweder nur reinem Wasser oder den weltweit am häufigsten benutzten Pflanzengiften Imidacloprid oder Thiamethoxam ausgesetzt. Obwohl eigentlich auch die Läuse hätten davon umkommen müssen, überlebten sie lange genug bzw. in so großer Zahl, dass sie an den vergifteten Pflanzen Nahrung aufnehmen und Honigtau ausscheiden konnten. In diesem Honigtau, der alsdann von Schwebfliegen und Schlupfwespen aufgenommen wurde, waren wiederum die eingesetzten Gifte nachweisbar.
Allerdings starb der größte Teil der Tiere innerhalb von drei Tagen, andere lebten kürzer als die unvergiftete Vergleichspopulation. Inwiefern vergifteter Honigtau zum Insektensterben beiträgt, ist gleichwohl noch nicht eindeutig geklärt. Die Forscher sehen jedoch neben dem direkten Einfluss von Insektiziden auch einen Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme von Honigtau. In der EU sind die drei wichtigsten Neonicotinoide inzwischen verboten.
Quelle: https://www.pnas.org

02.08.2019Brasilien: Regenwaldvernichtung von bislang unbekanntem Ausmaß – Der erst im letzten Herbst ins Amt gekommene brasilianische Präsident und erklärte Klima­wandel-Igno­rant Jair Bolsonaro treibt die Abholzung des heimischen Regenwaldes mit aller Macht voran. So wurde bereits im Juni dieses Jahres doppelt so viel Wald vernichtet wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Dies belegen Satellitenaufnahmen einer brasilianischen Bundesbehörde, die für den Juli sogar eine 200fache Steigerung von Rodungen dokumentieren. Zugleich berichten Indigene aus dem Amazonasgebiet immer wieder von Morden durch kriminelle Eindringlinge, die von den Rodungen profitieren. Bolsonaro will, wie auch schon in vergleichbaren Fällen, ihm kritisch gegenüber stehende Behördenmitglieder entlassen.

01.08.2019Juli 2019: Weltweit heißester Monat seit Beginn der Messungen – Der Juli 2019 war nach einer Analyse des Coper­nikus-Diens­tes der EU zur Überwachung des Klimawandels der weltweit heißeste Monat seitdem Messaufzeichnungen vorliegen. Die Temperaturen toppten damit knapp den bisherigen Spitzen­reiter Juli 2016. Wissenschaftler sind sich einig darin, dass diese Rekord-Tempe­raturen auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Ohne dieses Wetterphänomen wäre die jüngste Hitzewelle in Europa um 1,5 bis 3 Grad geringer ausgefallen, erklären sie.
In Deutschland kam es an einigen Tagen zu Spitzen-Tempe­raturen von bis zu 42,6 Grad (Lingen/Emsland). „Von 1881 bis 2018 wurden in Deutschland insgesamt zehnmal 40 Grad erreicht oder überschritten, jetzt im Juli 2019 waren es 25 Mal in nur drei Tagen“, sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes. Auch Frankreich, Spanien, die Bene­lux-Staa­ten und Großbritannien meldeten bislang unbekannte Tempe­ratur-Re­korde.
In der nördlichen Polarregion sorgte die Hitzewelle für wochenlange riesige Waldbrände – in Russland bis in den August hinein auf einer Fläche so groß wie Nord­rhein-West­falen – und für rasant schmelzende Eismassen. Die Temperaturen im Juli 2019 hätten noch knapp über dem bisherigen heißesten Monat Juli 2016 gelegen.

30.07.2019Polarregion: Rentiere verhungern infolge der Erderwärmung – Ausgerechnet steigende Temperaturen sind Schuld daran, dass Rentiere auf Spitzbergen keine ausreichende Nahrung mehr finden. Forscher haben beobachtet, dass die gemeinhin extrem anpassungsfähigen Tiere, deren Hauptnahrungsquelle Flechten und Moose sind, angeschwemmtes Seegras fressen. Bedingt durch höhere Temperaturen, die für mehr Regen sorgen statt – üblicherweise – Schnee, der auf dem noch gefrorenen Boden eine Eisschicht bildet, ist den Tieren der Zugang zu ihrer traditionellen Nahrung versperrt. Die Forscher entdeckten in diesem Jahr bereits mehr als 200 verhungerte Rentiere und sprechen von einer „beängstigenden“ Situation.
In der Arktis steigen die Temperaturen zwei- bis dreimal so schnell wie anderswo; auf der Inselgruppe Svalbard sind sie seit 1971 bereits um drei bis vier Grad gestiegen.

23.07.2019Thunberg spricht vor der der Pariser National­versamm­lung – Die Klima­aktivistin Greta Thunberg warnte bei einem Auftritt in der Pariser National­versamm­lung in einer Rede davor, angesichts der klimati­schen Verände­rungen auf der Erde die Hände in den Schoß zu legen. „Wir sind nur Kinder, Sie müssen nicht auf uns hören. Aber Sie müssen auf die Wissen­schaft­ler hören. Das ist alles, worum wir bitten“, sagte Thunberg. Sie war von einer über­partei­lichen Umwelt­gruppe aus Parla­ments­mitglie­dern einge­laden worden. Konser­vative Republi­kaner riefen dazu auf, ihren Auftritt zu boykot­tieren und sprachen von „apoka­lypti­schen Gurus“ und davon, Thunberg würde von einer grünen Lobby finanziert.
Es ist schon bemerkenswert, dass junge enga­gierte Menschen die gegen­wärtigen Probleme ernster nehmen als altbackene Politiker, die eigent­lich dafür Verant­wortung über­nehmen müssten.

23.07.2019Mont Blanc: Gletschersee auf 3000 Meter Höhe entdeckt – In einer Höhe bislang ewigen Eises hat ein Berg­führer Ende Juni einen neu gebildeten Schmelz­wasser-See in 3000m Höhe entdeckt. Zur Zeit der Aufnahme hatte sich nach Angaben des Wanderers die Null-Grad-Grenze auf dem mit 4810m höchsten Berg der Alpen auf etwa 4700m verlagert, was „extrem unge­wöhnlich“ sei. Zudem hätten etwa zwei Wochen lang selbst auf dieser Höhe Tempe­raturen von 20°C geherrscht und zusätz­lich das dort vorhandene dunkle Gestein entspre­chend erwärmt. Es wird befürchtet, dass das unter den Gletscher ver­sickernde und sich dort sammelnde Wasser das Eis irgend­wann einmal auf­sprengen und eine riesige Flut­welle sich ins Tal ergießen könnte.

15.07.2019EU-Länder wollen Pestizidregelungen lockern – Eine Mehrheit der Mitgliedsländer in der Europäischen Union – darunter auch Deutschland – hat entschieden, dass die Prüfkriterien zur Anwendung von Pestiziden zu streng seien und will diese nun entschärfen. Damit wird ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs konterkariert, vor dem die Giftproduzenten Bayer und Syngenta vor einem Jahr mit einer Klage gegen den Einsatz von Neonicotinoiden gescheitert waren. Die EU-Kommis­sion hatte den Gebrauch bereits fünf Jahre zuvor wegen des massenhaften Bienensterbens stark eingeschränkt.
Die zuständige EU-Behörde wurde nun beauftragt, die bislang geltende Bienenleitlinie umzuarbeiten. Die Entscheidung auch Deutschlands dazu steht im deutlichen Gegensatz zum im Koalitionsvertrag eigens postulierten Schutz von Bienen. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland nannte die Entscheidung eine für die Industrie und gegen die Belange von Umwelt und Gesellschaft.

15.07.2019Nördliche Polarregion von verheerenden Bränden heimgesucht – Die Arktis steht in Flammen; Wald und Tundra leiden unter den schlimmsten Bränden, die je dort wüteten. Zwar sind Brände in dieser Region nicht unüblich, jedoch nicht in diesem Ausmaß und nicht auf so großen Flächen. Zudem treten die Feuer immer früher im Jahr auf und breiten sich immer weiter nach Norden aus. Im US-Staat Alaska wurden in diesem Jahr bereits Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius gemessen, sodass es zu Bränden auch innerhalb des Polarkreises kommt. Folge davon ist ein vermehrter Anstieg von CO2, das bislang im Boden gebunden war. Es macht bis zu 60 Prozent des insgesamt freigesetzten CO2 aus. In Modellberechnungen haben Wissenschaftler ermittelt, dass allein im Juni 60 Megatonnen des Treibhausgases durch Brände freigesetzt wurden. Dabei steht der Höhepunkt der Brandsaison eigentlich noch bevor, er liegt üblicherweise in den Monaten Juli und August.

05.07.2019Massive weltweite Aufforstung soll zwei Drittel der CO2-Emissionen binden können – Mitarbeiter der ETH Zürich haben in der Fachzeitschrift Science einen Beitrag veröffentlicht, demzufolge eine massive weltweite Aufforstung zwei Drittel der CO2-Emissionen kompensieren könnte. Mithilfe von Satellitenaufnahmen hat das Autorenteam ermittelt, welche Regionen dafür infrage kämen und errechnete dabei eine Fläche von 900 Millionen Hektar – das entspricht beinahe dem Gebiet der USA.
Kritiker halten die Idee einer Aufforstung zwar für einen sinnvollen Ansatz, sie jedoch als „effektivste Klimalösung“ zu bezeichnen für „sachlich falsch“. So würden die Autoren beispielsweise verkennen, dass die Hälfte allen CO2 gar nicht in der Atmosphäre verbleibe und durch Anpflanzungen neutralisiert werden könne, sondern zu einem großen Teil u.a. in den Ozeanen gespeichert würde. Und auch das in den Pflanzen gespeicherte CO2 würde keineswegs immer dort verbleiben, sondern beispielsweise durch natürliche Brände oder Brandrodungen oft wieder freigesetzt werden.

03.07.2019Österreich verbietet Glyphosat – Als erstes Land in der Europäischen Union hat Österreich den Einsatz des Unkrautvernichters Glyphosat (Roundup) verboten. Ein Antrag der oppositionellen SPÖ fand überraschend eine Mehrheit im Nationalrat. Da die EU jedoch den Einsatz des vermutlich krebserregenden Mittels bis Ende 2022 zugelassen hat, könnte dieser Beschluss EU-Recht verletzen. Allerdings: nur weil etwas auch zugelassen ist, muss es deshalb – insbesondere in Anbetracht erfolgreicher Klagen Geschädigter – nicht unbedingt auch angewendet werden.

03.07.2019Antarktis: Dramatischer Eisverlust innerhalb von nur drei Jahren – Im Gegensatz zur nördlichen Polarregion hat das Eis am Südpol trotz Erderwärmung in den vergangenen Jahrzehnten stetig zugenommen. Dieser Prozess scheint nun jedoch beendet zu sein, wie aus Satellietenaufnahmen der letzten Jahre hervorgeht. Der Eisverlust scheint sogar schneller vonstatten zu gehen als in der nördlichen Hemisphäre. So verschwand allein zwischen 2014 und 2017 eine Eismasse, die den Schwund in der Arktis noch übertraf. In diesem Zeitraum verlor die Region um den Südpol regelmäßig eine Eismasse von durchschnittlich mehr als der doppelten Fläche Deutschlands und damit dreimal soviel wie die Arktis. Damit, so die Aussage einer an der Beobachtung beteiligten Forscherin, sei der Schwund so massiv gewesen, dass das in den vorangegangenen 35 Jahren angesammelte Eis „innerhalb weniger Jahre ausgelöscht wurde“.
Quelle: Nature

02.07.2019CO2-Ausstoß so hoch wie nie – Im vergangenen Jahr hat die Menschheit mit 42 Milliarden Tonnen Kohlendioxid so viel Schadstoffe des Giftes produziert wie noch nie zuvor. Doch nicht nur die bislang produzierten Mengen erreichen ein Rekordniveau – auch jene Mengen, bei denen es bereits beschlossene Sache ist, sie noch zu erzeugen, steigen in bislang unbekannte Höhen. Ursächlich dafür sind neben noch langfristig betriebenen weitere zusätzlich geplante Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen betrieben werden, sowie der unverminderte Ausstoß von Kraftfahrzeugen. Darauf hat jetzt ein internationales Forscherteam von der University of California aufmerksam gemacht. Bereits die bestehenden Kraftwerke und CO2-intensiven Produktionsstätten sowie der Autoverkehr würden während ihrer normalen Betriebszeit weitere 660 Gigatonnen erzeugen – und das im Pariser Vertrag zum Klimaschutz ausgehandelte Ziel von 1,5 Grad Erderwärmung schon jetzt hinfällig machen.
Selbst eine nur 50-prozentige Chance hätte das angepeilte 1,5 Grad-Ziel lediglich bei einem maximalen Ausstoß von 580 Tonnen CO2, so die Forscher, und in 2050 müsste der Ausstoß dann sogar bei Null liegen. Mangels resoluter politischer Entscheidungsfähigkeit ein ganz offensichtlich vergebliches Ansinnen.
Quelle: Nature

01.07.2019Juni 2019: Bislang wärmster Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen – Nach Auffassung von Meteorologen zählt der diesjährige Monat Juni zum bislang wärmsten überhaupt. Mit durchschnittlich 19,8 Grad lagen in Deutschland in diesem ersten meteorologischen Sommermonat die Temperaturen um 2 Grad über den langjährigen Mittelwerten und übertrafen um 0,4 Grad sogar die des Extremsommers 2003. Im Nordosten Deutschlands mussten gegen Ende des Monats mehrere Dörfer vollständig evakuiert werden, weil ein Flächenbrand auf einem ehemaligen, munitionsverseuchten Militärgelände nicht unter Kontrolle zu bekommen war. Die Temperaturen dort stiegen auf teilweise über 38 Grad. In Südfrankreich wurden sogar knapp 46 Grad gemessen und auch in Spanien hielten sich die Temperaturen über längere Zeiträume selten unter 40 Grad. In einigen Teilen Europas wurde teilweise jetzt schon das Trinkwasser knapp. Da die langjährigen Mittelwerte auch weiterhin im Steigen begriffen sind, werden solche Hitzeperioden voraussichtlich noch zunehmen.

18.06.2019Arktis: Permafrostböden stehen vor dem Kollaps – Das durch den Klimawandel vom UN Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) erst für Ende des Jahrhunderts erwartete Verschwinden der dauerhaft gefrorenen Böden in der Arktis läuft entgegen den Annahmen tatsächlich schon jetzt mit ungeheurer Geschwindigkeit ab. Dies ergeben Messungen in einigen kanadischen Regionen, wo bereits ein Zustand erreicht ist, der von Experten erst gegen 2090 erwartet wurde und der die schlimmsten Erwartungen der Wissenschaft deutlich übertrifft. Ursächlich dafür seien sehr wahrscheinlich ungewöhnlich heiße Sommer in den vergangenen Jahren, sodass sich der Boden inzwischen an einigen Stellen um bis zu 90 Zentimeter gesenkt hat. Und das Abtauen dürfte sich durch die damit einhergehenden geologischen und biologischen Veränderungen weiter beschleunigen.
Im noch gefrorenen Boden ist etwa doppelt soviel Kohlenstoff gespeichert wie sich aktuell in der Atmosphäre befindet. Taut der Boden auf, können Mikroben aktiv werden, wodurch sich Kohlendioxid und Methan bildet, was die Erwärmung noch wesentlich mehr beschleunigt als CO2 – ein Prozess, der nicht mehr aufzuhalten ist. Das Verschwinden der Permafrostböden wurde im Umweltprogramm der Vereinten Nationen als eines der gravierendsten Umweltprobleme der Menschheit benannt.
Quelle: Geophysical Research Letters

17.06.2019EU-Klimaschutzziele: Deutschland gibt Bremserrolle teilweise auf – Kurz vor einem erneuten EU-Gipfeltreffen in Brüssel hat sich Deutschland zu dem Ziel bekannt, die Europäische Union bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Ein solches Ziel war bereits vor längerer Zeit von den Benelux-Ländern, Frankreich, Dänemark, Schweden, Spanien und Portugal ausgegeben worden, Deutschland hatte sich dem bislang verweigert.

13.06.2019Mittelmeer: Jede Minute werden 33.800 Plastikflaschen im Meer „entsorgt“ – Jährlich werden mehr als eine halbe Million Tonnen Plastik ins Mittelmeer eingetragen. Darauf hat die Umweltschutzorganisation WWF hingewiesen. Dies entspreche einer Menge von 33.800 Plastikflaschen pro Minute, teilte die Naturschutzorganisation mit. Besondere Dreckschleudern sind beliebte Touristenziele wie etwa Barcelona, Tel Aviv und türkische Strände. Hinzu kommt ein vermehrter Export von Plastikmüll aus Deutschland in die Türkei – 2018 allein mehr als 50.000 Tonnen. Doch neben den touristischen Schmutzfinken zählt auch die Fischereiwirtschaft zu den großen Verursachern. Kommunale Abfallentsorgungsbetriebe seien angesichts des saisonal anwachsenden Müllaufkommens oftmals überfordert, meint ein Sprecher vom WWF.

12.06.2019Finnland: Neue Koalitionsregierung rückt Klimapolitik in den Fokus – Immer drängendere Probleme beim heraufziehenden Klimawandel finden allmählich auch Beachtung bei politischen Akteuren in Europa. In Deutschland wurden Ende Mai die Grünen bei der Europawahl zur zweitstärksten Kraft (vgl. →Regionale Ereignisse 2019), die Grünen in Finnland errangen ein solches Ergebnis bereits zwei Monate zuvor bei den Wahlen im März und liegen jetzt mit 17,5 Prozent um nur 0,2 Punkte hinter den Sozialdemokraten – ihr bislang bestes Ergebnis. Die jetzt gebildete neue Regierung wird dementsprechend geprägt von grünen Themen. Der gerade gewählte Ministerpräsident Antti Rinne will Finnland zum grünsten Land der Welt machen: „Wir sind fest entschlossen, uns den Herausforderungen des Klimawandels zu stellen“, so Rinne, „aber das muss auf eine sozial gerechte Art und Weise geschehen.“ Die Regierung will dies durch die „weltweit erste Wohlfahrtsgesellschaft frei von fossilen Brennstoffen“ erreichen. Konsequenterweise fuhren die neuen Kabinettsmitglieder ohne Ausnahme mit der Straßenbahn zum Regierungssitz.
Finnland will bis zum Jahr 2035 Klimaneutralität erreichen. Es wird zudem Anfang Juli die EU-Rats­präsident­schaft übernehmen und vermutlich versuchen, auch in der EU-Politik neue Schwerpunkte zu setzen.

01.06.2019Tansania verbietet Plastiktüten – „Entwicklungsländer“ machen es uns vor: Was in Ruanda und Kenia schon seit längerem gilt, ist seit dem 1. Juni auch in Tansania vorgeschrieben: Im- und Export, Produktion, Vertrieb und die Lagerung und Nutzung von Plastiktüten sind ab diesem Datum verboten. Erlaubt bleiben lediglich Kunststoffverpackungen im Gesundheitsbereich, für Industrieerzeugnisse und den Bausektor, in der Agrar-, Nahrungsmittel- und Abfallwirtschaft sowie bei Hygieneartikeln. An den internationalen Flughäfen sollen Kontrollen durchgeführt werden.

Mai 2019Neuer Tauchrekord: Plastikmüll in 10.928 Meter Tiefe gefunden – Ein Team um den amerikanischen Tiefseetaucher Victor Vescovo hat im Marianengraben einen neuen Rekord aufgestellt. Vescovo erreichte mit seinem U-Boot eine Tiefe von knapp 11.000 Metern. Die Expedition absolvierte im April und Mai insgesamt fünf Tauchgänge an verschiedenen Stellen dieses tiefsten ozeanischen Grabens. Er befindet sich östlich der Philippinen.
Die Tiefseeforscher entdeckten bei ihren Tauchgängen nicht nur unbekannte neue Arten, sondern auch wohlbekannte, sehr verbreitete: in elf Kilometern Tiefe fanden sie eine Plastiktüte und Verpackungen von Süßigkeiten. Nach Plastikfunden auch in den Polarregionen scheint nunmehr festzustehen, dass keine Stelle der Weltmeere noch unberührt ist vom Zivilisationsmüll.

10.05.2019Basler Konvention: 187 Staaten wollen Plastik­müll-Ex­por­te eindämmen – 187 Staaten haben verschärfte Regeln für den Export von Plastikabfällen vereinbart. Die Mitglieder der sogenannten Basler Konvention, ein international geschlossenes Umweltabkommen, wollen erreichen, dass zu entsorgende Kunststoffe künftig überwiegend im eigenen Land verbleiben. Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) verspricht sich von dem Übereinkommen einen „großen Fortschritt und eine wirksame Handhabe gegen den zunehmenden Meeresmüll“. Welchen Weg die Vertragsparner dabei beschreiten, können sie selbst entscheiden.
Die Vereinbarung sieht vor, dass jedes Land die Inhaltsstoffe des zu exportierenden Mülls genau deklarieren muss, zudem muss er vorsortiert, gesäubert und damit besser recycelbar sein. Für sonstige Kunststoffe ist künftig die Zustimmung der Export- bzw. der Importstaaten erforderlich. Zudem sollen exportierende Länder den importierenden bei der Weiterverarbeitung von Kunststoffen helfen. Darüber hinaus soll generell die Produktion des enorm schädlichen Materials reduziert werden.
Umweltschutz-Organisationen stehen dem Abkommen jedoch eher skeptisch gegenüber. Nur wenn die Produktion und der Verbrauch von solchen Abfällen drastisch eingeschränkt werde, lasse sich auch die Vermüllung der Meere und vieler betroffener Länder eindämmen. Allein Deutschland exportierte 2018 weit mehr als 100.000 Tonnen Plastikmüll nach Südostasien.

06.05.2019Weltbiodiversitätsrat legt Bericht zur Lage der Artenvielfalt vor – Einen aktuellen Lagebericht über den globalen Zustand und die Bedrohung vieler Tier- und Pflanzenarten auf der Erde hat der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) vorgelegt. Der bis dahin aktuellste Zustandsbericht zur Lage der Tier- und Pflanzenwelt ist bereits 14 Jahre alt. Der IPBES ist mit dem Weltklimarat IPCC vergleichbar, der federführend am Pariser Klimaschutzabkommen beteiligt war. 150 Experten aus 50 Ländern haben zigtausende Studien für diesen Bericht ausgewertet. Die Dokumentation bilanziert die Verheerungen der vergangenen Jahre, alle 132 Mitgliedsstaaten haben ihr zugestimmt.
Unzweifelhaft wird in dem Bericht festgehalten, dass die Ursachen für den massiven Artenschwund eindeutig mit dem menschlichen Verhalten zu begründen sind. Schätzungen zufolge sterben auf der Erde deshalb jährlich mindestens 20.000 Arten aus, vielleicht sogar 60.000. Besonders betroffen sind Amphibien, Vögel und Insekten – vielleicht auch, weil sie relativ gut erforscht sind. Von welch großen Verlusten andere, weniger gut erforschte Arten betroffen sind, lässt sich kaum abschätzen. Wissenschaftler sehen bereits ein sechstes großes Massensterben (das fünfte war das der Dinosaurier vor 65 Millionen Jahren) und ordnen den Verlust an Biodiversität als vergleichbar große Gefahr wie den Klimawandel ein.
Der 1000 Seiten starke Bericht dokumentiert die aktuellsten Daten zum weltweiten Zustand der Biosphäre, antizipiert die zukünftige Entwicklung und stellt Handlungsoptionen vor. Erstmals wird nicht nur die Biodiversität an Land, sondern auch die in den Ozeanen berücksichtigt, denn sie sei vergleichbar reichhaltig und relevant wie das Leben an Land.
Als bereits seit langem bekannte Ursachen der globalen Zerstörung werden immer wieder die intensive Landwirtschaft, der Städtebau und die Überfischung der Meere angeführt – mithin eine nicht nachhaltige Ausbeutung der natürlichen Vorkommen, gefördert durch eine Ideologie des Wirtschaftswachstums.
Eine Umkehr oder zumindest Minderung der Ausrottung allen Lebens sei nur durch ein „gesellschaftliches Umdenken auf allen Ebenen“ möglich mit dem Ziel, nur so viele Ressourcen des Planeten zu verbrauchen, wie er auf natürliche Weise selbst wieder erzeugen kann. Ein nahezu aussichtloses Unterfangen angesichts einer Weltbevölkerung von acht Milliarden und der Tatsache, dass eine solche natürliche Erholung im Jahr 2019 bereits im Mai überfordert war, der Mensch also die restlichen sieben Monate mehr verbraucht, als dass die Erde wieder generieren könnte.
„Das Paradigma vom ewigen und alternativlosen weltweiten Wirtschaftswachstum ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit der Natur führt in die ökologische Sackgasse und … raubt Gesellschaften und Wirtschaft jedwede Zukunfts­chance“, kommentierte Eberhard Brandes vom WWF Deutschland solch ein Verhalten (zit. n. SZ v. 07.05. 2019). Es wird ungebremst weitergehen.

02.05.2019Die Mär vom kompostierbaren Plastik: Verrottung dauert jahrelang – Meeresforscher der University of Plymouth (Großbritannien) haben festgestellt, dass sich vermeintlich biologisch abbaubare Plastiktüten auch noch nach Jahren nicht zersetzt haben. Für ihre Untersuchung vergruben die Wissenschaftler die angeblich umweltfreundlichen Behältnisse in der Erde oder warfen sie kontrolliert ins Meer. Das Ergebnis nach drei Jahren: Unabhängig von der Entsorgung waren die vergrabenen Tüten zwar unansehnlich, aber immer noch Tüten und sogar so stabil, dass einige einen Einkauf zu tragen vermochten. Zersetzt hatte sich einzig das im Wasser befindliche Exemplar, wobei die Forscher nicht sagen konnten, ob eventuelle Überbleibsel davon nicht anderswo im Meer Schaden anrichten. Zu einer umweltfreundlichen Lösung, so die Forscher, trage sog. kompostierbares Plastik jedenfalls nicht bei.
Quelle: Environmental Science and Technology

April 2019Antarktis: Kaiserpinguine verlassen Brutgebiet – Die zweitgrößte Kaiserpinguin-Kolonie der Antarktis hat ihr Brutgebiet aufgegeben. Grund ist der Rückgang der Eisflächen in der Halley Bay im Weddell-Meer, sodass seit nunmehr bereits drei Jahren die Aufzucht von Jungen durch die Alttiere misslingt. Seit etwa fünf Jahren hat sich das Meerwasser unter dem Eis immer weiter erwärmt und das Eis stark schmelzen lassen.
Wissenschaftler beobachten zugleich auch einen Rückgang des Pinguinbestands. Da eine 55 Kilometer entfernt lebende benachbarte Kolonie deutlich angewachsen ist, gehen sie davon aus, dass sich zumindest ein Teil der Halley Bay-Pinguine dieser angeschlossen hat. Die Halley Bay galt bislang als eigentlich gut geschützt vor den Auswirkungen des Klimawandels.
→www.cambridge.org/core/journals/antarctic-science

25.04.201912 Millionen Hektar Tropenwald 2018 verloren gegangen – Eine Fläche, so groß wie Niedersachsen und Bayern zusammen ist im letzten Jahr durch die Motorsäge oder durch Brandrodung zerstört worden. Das berichtet das Projekt Global Forest Watch (GFW), das sich auf Satellitenbilder der Universität Maryland bezieht. 3,64 Millionen Hektar davon betreffen besonders schützenswerten Regenwald.
Insbesondere Brasilien nimmt bei der Zerstörung eine führende Rolle ein, um die gerodeten Flächen für Weideland nutzen zu können. Unter dem Regime des neuen Präsidenten Jair Bolsonaro ist abzusehen, dass sich diese Zerstörung verstärkt fortsetzen wird. Bolsonaro hat sich bereits vor seiner Wahl gegen neue Schutzgebiete im Amazonasgebiet ausgesprochen.
Indonesien hingegen verzeichnet die bislang niedrigsten Verluste seit dem Jahr 2003. Fraglich bleibt jedoch, ob dies Ausdruck einer bewussten Politik oder dem Zufall geschuldet ist.

Apr. 2019Mikroplastik: Fleece-Textilien tragen erheblich zur Gewässerbelastung bei – Nach Schätzungen der Weltnaturschutzorganisation IUCN gelangen jedes Jahr bis zu fünf Millionen Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Ein wesentlicher Teil davon entfällt auf Produkte aus Polyester-Fleece, insbesondere auf mit solchen Kunststoffen hergestellte Textilien. Mit jedem noch so schonenden Waschgang gelangen sie in die Gewässer. Zuverlässige Filter dagegen gibt es bislang nicht: entweder sie verstopfen zu schnell oder sie sind so großporig, dass sie die Kunststoffpartikel nur unzureichend zurückhalten. Hinzu kommen weitere Mikroplastik-Belastungen etwa durch Reifenabrieb und bei der Abfallentsorgung, die sich später im Klärschlamm auf den Feldern und hernach in der Nahrungskette wiederfinden.
Ein vom Bundesforschungsministerium gefördertes Projekt an der Hochschule Niederrhein in Krefeld befasst sich jetzt mit der Problematik, doch vielversprechende Fortschritte gibt es bislang nicht. Derzeit beschäftigen sich die Forscher mit Faseroptimierung und neuen Textilkonstruktionen, was eher etwas hilflos klingt. Als eine Lösung könnten sie sich biologisch abbaubare Textilfasern vorstellen, doch bis dahin sei es noch ein langer Weg, denn ihre Haltbarkeit lässt zu wünschen übrig und die Strapazierfähigkeit sei auch nicht die beste.
Für eine Ausweitung der Produktion von Naturtextilien müssen zudem erst noch die Anbauflächen geschaffen werden – verbunden mit einer Eindämmung des Wachs­tums-Hype, weil sie andernfalls niemals ausreichen werden. Ein längerer und schonenderer Gebrauch von Naturtextilien könnte also ein Teil der Lösung sein. Doch dazu müsste sich voraussichtlich die Denkweise einer mode- und wachstumsorientierten Gesellschaft ändern. Einstweilen haben die Krefelder Forscher nur anzubieten, Fleece-Pro­dukte weniger oft zu waschen und die Waschmaschine immer möglichst voll zu beladen.

11.04.2019Nestlé-Chef sieht Kunststoffverpackungen positiv – Auf der Generalversammlung des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé musste sich dessen Chef Ulf Mark Schneider kritischen Fragen zum Problem des von Nestlé produzierten Plastikmülls stellen. Umweltbewusste Aktionäre wie etwa Green­peace-Chefin Jennifer Morgan fragten im Kongresszentrum von Lausanne danach, wie sich „das altmodische und zerstörerische Geschäftsmodell“ Nestlés mit in Plastik verpackten Süßigkeiten und Getränken mit dem Umweltschutz in Einklang bringen ließe und ob er daran etwas ändern wolle. Ein philippinischer Aktivist machte Nestle direkt zum Vorwurf, sein Land mit giftigen Verpackungen regelrecht zuzumüllen. Schneider gab zwar vor, dass er solche Sorgen teile, jedoch Plastikverpackungen nicht ohne Grund einsetze – um die Produkte Verbrauchern „im bestmöglichen Zustand“ anbieten zu können.
Die wiederum hätten es in der Hand, ob sie das mit ihrem Kaufverhalten goutieren wollen.

09.04.2019Botswana erlaubt Jagd auf Elefanten – Obgleich Elefanten eigentlich streng geschützt sind, will die Regierung von Botswana den Abschuss der Dickhäuter erlauben. In Botswana leben mehr Elefanten als in jedem anderen Land, nicht zuletzt auch, weil die Jagd untersagt ist. Jetzt will die Regierung das Verbot aufheben. Im Kruger Nationalpark in Südafrika (Balule Game Reserve) werden die Tiere sogar von Jägern selbst in Schutzgebieten getötet.
Sie können dagegen protestieren. Unterschriftenkampagne unter https://www.regenwald.org

07.04.2019Rekordtemperaturen in Australien lassen weltweit größtes Korallenriff sterben – Wissenschaftler der James Cook University in Queensland berichten von einem katastrophalen Zustand des Great Barrier Reefs infolge der Klimaerwärmung. Sie befürchten, dass die bereits 2016 und 2017 eingesetzte Korallenbleiche nicht mehr reversibel ist, weil aufgrund des viel zu warmem Wassers die mit ihnen in Symbiose lebenden Algen zu schwer geschädigt wurden. Larvenschwärme, die normalerweise von Korallen-Polypen produziert werden und die abgestorbenen Korallen ersetzen, haben sich nach Aussagen der Forscher um 89 Prozent zurückentwickelt. Zudem habe sich die Zusammensetzung der Arten verändert: die bislang domierenden Steinkorallen sind einer anderen Gattung gewichen, die sehr viel weniger vielfältig ist und sich nicht unbedingt vor Ort, sondern in entfernteren Gebieten ansiedelt.
„Für uns ist das alles keine Überraschung“, so der deutsche Klimaforscher Mojib Latif. Da inzwischen die CO2-Konzentration in der Atmosphäre ähnlich hoch ist wie zuletzt vor rund drei Millionen Jahren und noch weiter steigt, dürften die beobachteten Phänomene bei den Korallenriffen – und nicht nur dort – weiter zunehmen.

07.04.2019Getreide wird knapp – Sowohl die UN-Welternährungsorganisation (FAO, Rom) als auch der Internationale Getreiderat (IGC, London) erwarten bereits zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt eine Verknappung bei der Getreideernte; sie wird nicht mehr den weltweiten Bedarf decken können. In 2018/19 wird die Ernte um vermutlich 30 Millionen Tonnen geringer ausfallen als verbraucht wird, schätzt die FAO. Das ist nur möglich Dank bestehender hoher Lagerbestände und gab es so ähnlich schon einmal 2012/13 infolge einer mehrjährigen Dürre in den USA. Diesmal wird die lang anhaltende Dürreperiode des letzten Jahres in weiten Teilen Europas dafür verantwortlich gemacht. Hungerkatastrophen sind dadurch allerdings nicht zu befürchten.
Nach Angaben des Bundesverbandes der Ernährungsindustrie sind die Erzeugerpreise bei Brot und Getreideerzeugnissen im Vergleich zum Vorjahr bereits um 6,3 Prozent angestiegen. Bereits 2018 gab es bei diesen Produkten größere Preiserhöhungen als bei anderen Lebensmitteln. Das Dilemma könnte noch zunehmen, denn immer mehr Menschen wollen immer mehr Fleisch essen, weshalb immer mehr Getreide zur Fütterung benötigt wird.

27.03.2019Landnutzung in tropischen Bergregionen führt zu starken Veränderungen der Biodiversität und in natürlichen ökologischen Funktionen – Wie intensiv die Veränderungen sind, hängt stark vom Klima ab. Das hat ein internationales Forscherteam aus 30 Universitäten und Forschungsinstituten herusgefunden, die sechs Jahre lang Daten auf dem Kilimandscharo, dem höchsten Berg Afrikas, sammelten. Er ist in seiner Pflanzen- und Artenvielfalt überaus abwechslungsreich.
Die Ergebnisse zeigen, dass die Landnutzung zu einem starken Verlust der Artenvielfalt und einer starken Veränderung von Ökosystemfunktionen tropischer Berge führt. Diese Veränderungen fallen in verschiedenen Höhenzonen jedoch unterschiedlich stark aus. Am Fuß des Berges gehen selbst bei moderater Landnutzung bis zu 50 Prozent der Arten verloren und die Funktionalität von Ökosystemen zeigt starke Veränderungen. Die Ökosysteme mittlerer Höhenlagen und mit gemäßigtem Klima seien dagegen etwas robuster. Die Auswirkungen der Landnutzung auf die Biodiversität und Funktionalität von Ökosystemen hänge also stark vom klimatischen Kontext ab, schließt der Göttinger Forscher Dietrich Hertel aus den Forschungsergebnissen. Das sei vor allem für das Verständnis der Landnutzungs- und Klimaveränderungen auf Bergen von großer Bedeutung, habe jedoch auch in einer Welt, die vom Klimawandel betroffen ist, größte Relevanz.
Quelle: Nature (2019). DOI: https://doi.org/10.1038/s41586-019-1048-z

13.03.2019„Healthy Planet, Healthy People“: Vereinte Nationen legen düsteren Umweltbericht vor – Die Vereinten Nationen haben den sechsten „Global Environment Outlook“ vorgelegt, eine Bestandsaufnahme über die Umwelt unseres Planeten. Eine der Kernausagen darin ist, dass die Gesundheit der Menschen zunehmend in Gefahr gerät. Ohne entsprechende Umweltschutzmaßnahmen werden „Millionen von Menschen […] in Städten und Regionen in Asien, dem Nahen Osten und in Afrika bis Mitte des Jahrhunderts vorzeitig sterben“, heißt es in dem wohl ausführlichsten UN-Umweltbericht seit 2012. Etwa ein Viertel aller Krankheits- und Todesfälle seien bereits jetzt auf Umweltverschmutzung zurückzuführen.
Neben vielen weiteren Aspekten, welche die Erde zu einem sterbenden Planeten machen und deshalb auch Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen haben, werden an vorderster Stelle der Studie genannt: Luftverschmutzung und Artenvielfalt.
So seien Emissionen und Treibhausgase weltweit ursächlich für die meisten Todesfälle (6 bis 7 Mio), für Krankheiten und Migration. Einigen Fortschritten etwa durch neue Vorschriften zur Verbesserung der Luftqualität in den Industrieländern stehen jedoch erhebliche Rückschritte in anderen Bereichen gegenüber, vor allem in Entwicklungs- und Schwellenländern sowie in schnell wachsenden Städten.
Noch schlechter kommt der Zustand der Artenvielfalt weg, wenn auch die Folgen für die Menschheit noch nicht sicher absehbar sind. Gleichwohl stelle der Rückgang der genetischen Vielfalt eine immense Gefahr sowohl für die menschliche Ernährung als auch für die medizinische Versorgung dar.
Und noch ein Bereich lässt aufhorchen: der bedrohliche Zustand der Trinkwasserqualität, der sich in den meisten Regionen der Welt seit 1990 kontinuierlich verschlechtert habe, etwa durch zunehmende Antibiotika-Resistenzen, zumeist hervorgerufen durch Einträge aus der Landwirtschaft, Aquakultur und Abwässer. Positiv stehe dem gegenüber, dass in den letzten 15 Jahren 1,5 Milliarden Menschen überhaupt erstmals Zugang zu einer modernen Trinkwasserversorgung erhalten habe – trotz zunehmend schlechter Wasserqualität gleichwohl ein deutlicher Fortschritt, meinen die Autoren.
Noch schlechter bestellt ist es um den Zustand nicht trinkbaren Wassers, betrachtet man beispielsweise den Eintrag von jährlich acht Millionen Tonnen Kunststoff in die Weltmeere, die ebenso eine zunehmende gesundheitliche Gefahr darstellen wie die globale Erwärmung der Ozeane, ihre Versauerung und Überfischung. Der Umweltbericht weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass 3,1 Milliarden Menschen weltweit auf Fisch als Nahrungsgrundlage angewiesen sind.

Febr. 2019Insekten: in 100 Jahren wahrscheinlich verschwunden – Wissenschaftler vom Sydney Institute of Agriculture in Australien haben sich an einer Bestandsaufnahme des weltweiten Insektensterbens versucht. Denn der Artenschwund ist keineswegs auf Deutschland beschränkt, auch wenn eine Krefelder Studie erstmals große Aufmerksamkeit darauf lenkte (vgl. Regional-Meldung vom →Nov. 2018). Aufgrund der gesammelten Daten prognostizieren sie „katastrophale“ Konsequenzen, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Die Forscher haben mehr als 70 Studien zusammengetragen, die sich insbesondere mit dem Rückgang von Kerbtieren, die wohl artenreichste Klasse von Tieren überhaupt, beschäftigen. Dadurch wurden mehr als 60 Prozent aller beschriebenen Tierarten erfasst. Deutlich wurde, dass alle Ordnungen der Insekten vom Schwund betroffen sind: ein Drittel ist vom Aussterben bedroht und nahezu die Hälfte von ihnen verzeichnet einen starken Rückgang. Die Prognose der Forscher: bei gleichbleibendem Schwund sind Insekten in 100 Jahren wahrscheinlich von der Erde verschwunden.
Besonders dramatisch sei der Schwund bei Schmetterlingen, Hautflüglern (Bienen, Wespen, Hummeln, Schweb- und Florfliegen, Ameisen etc.) und einer Käferart. Dabei sind nicht etwa nur Insekten von der Ausrottung durch den Menschen betroffen, die sich auf besondere Lebensräume spezialisiert haben und diese nun nicht mehr vorfinden, sondern auch viele von den sogenannten „Generalisten“ – Insekten, die sich unterschiedlichen Landschaften gut anpassen können. Wenn es aber sogar diese Generalisten trifft, dann ist dies ein untrügliches Zeichen dafür, dass es mit der Natur generell bergab geht, sie zum todkranken Patienten geworden ist.
Die Forscher aus Australien sehen übrigens – wie kann es anders sein? – die wichtigste Ursache für das weltweite Sterben im Verlust des Lebensraums, hervorgerufen vor allem durch intensive Landwirtschaft und Flächenversiegelung und, als zweitwichtigsten Faktor, im massiven Einsatz von Dünger und Pestiziden, die nicht allein nur „Schädlinge“ töten. Erst dann folgen eingeschleppte Krankheiten; der Klimawandel steht erst an vierter Stelle der Ursachen.
Immer und immer wieder wird in wissenschaftlichen Untersuchungen der Umgang der Landwirtschaft mit dem ihr anvertrauten Allgemeingut Natur als die wesentliche Ursache für Umweltzerstörungen benannt und immer und immer wieder wird dies von Seiten der Verursacher wie auch von Seiten der Politik bagatellisiert.
Quelle: Francisco Sánchez-Bayo, Kris A. G. Wyckhuys: Worldwide decline of the entomofauna: A review of its drivers. Biological Conservation (232), April 2019 (in Vorber.).

25.01.2019Straßenbauprojekt im Osten Nigerias gefährdet Regenwald – Die Indigenen Euri in Nigeria schützen seit Generationen den Lebensraum von Gorillas, Schimpansen und Waldelefanten und versuchen mit aller Kraft ein Straßenbauprojekt dort zu verhindern. „Der Bau wäre das Todesurteil für unseren Wald. Wir werden unsere Mutter Erde verteidigen“, so der Umweltschützer Odigha Odigha. Nigeria hat bereits 96 Prozent seiner Wälder verloren. Nun sind auch die letzen Reste in Gefahr.

21.01.2019Rückgang von Wäldern führt zu drastischen Verlusten der Vogelartenvielfalt – Eine Studie Göttinger Wissenschaftler in einem etwa 4.000 Quadratkilometer großen Untersuchungsgebiet, das sowohl Schutzgebiete als auch kleinbäuerliche Agrarforstsysteme und industrielle Ölpalmenplantagen aufweist, legt nahe, dass der Waldanteil nicht unter 40 Prozent sinken sollte, wenn drastische Verluste der Vogelartenvielfalt vermieden werden sollen. Die Studie belegt zugleich, dass stark spezialisierte Vogelarten bereits ab Waldanteilen unter 70 Prozent deutlich zurückgehen und durch Generalisten, also Vögeln, die in verschiedenen Lebensräumen zuhause sind, ersetzt werden.
Biological Conservation (2019). DOI: https://doi.org/10.1016/j.biocon.2018.12.001

19.01.2019Zugstrecke bedroht Mexikos Regenwälder auf der Halkbinsel Yucatan – Ein Prestigeprojekt des mexikanischen Präsidenten López Obrador bedroht die Regenwälder auf der Halkbinsel Yucatan. Eine neue Zugstrecke soll Touristen aus Cancún von der karibischen Küste zu den archäologischen Pyramidenstätten im Landesinneren bringen. Die geplante 1.525 Kilometer lange Zugtrasse soll dazu quer durch einzigartige Regenwaldgebiete in fünf mexikanischen Bundesstaaten gebaut werden. Die Länge entspricht ungefähr der Distanz zwischen Hamburg und Rom! Die Zugstrecke droht sensible Biosphärenreservate der Selva Maya zu durchschneiden, Heimat von Jaguar, Tapir und Brüllaffe.

09.01.2019Tansania baut Staudamm im Welterbe Selous – Tansanias Präsident John Magufuli will 1.500 Quadratkilometer Wald und Savanne zur Abholzung freigeben. 2,6 Millionen Bäume sollen im UNESCO-Welterbe Selous für ein Staudammprojekt Platz machen. Die ökologischen Schäden wären nicht reparabel. Umweltschützer fürchten die endgültige Zerstörung des Schutzgebietes, das bereits geschädigt ist. Die Elefantenpopulation ist eingebrochen. Die UNESCO hat Selous deshalb im Jahr 2014 auf die Liste der „bedrohten Welterbe“ gesetzt.

2018 und früher