Regionale Ereignisse 2018

21.12.2018Studie: Viele würden nicht nur mehr Informationen und Nudging (Anstupsen“) begrüßen, sondern auch striktere Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung und klimaschädliche Flugtransporte. – Fleischsteuern lehnen dagegen die meisten eher ab. Einer verbesserten Information über regionale Produkte, Transportwege und Lebensmittelabfälle stimmten die Befragten durchgängig zu. Auch Angebote wie kleinere Portionen in Kantinen und Supermärkten, um Speisereste zu vermeiden, oder eine bessere Platzierung der klimafreundlicheren Produkte würden viele Menschen begrüßen. Steuern oder Verbote wurden im Durchschnitt jedoch eher abgelehnt. So sehen viele Menschen zwar den Staat in der Verantwortung für den Klimaschutz, jedoch führt diese Einstellung nicht zu höherer Akzeptanz von staatlichen Maßnahmen, die über Informationskampagnen hinausgehen.
GAIA – Ökologische Perspektiven für Wissenschaft und Gesellschaft 4/2018. https://doi.org/10.14512/gaia.27.4.8

14.12.2018Viele in Nord- und Ostsee lebenden Fisch-, Vogel- und Säugetierarten und ihre Lebensräume sind zu hohen Belastungen ausgesetzt – Das zeigen Berichte zum Zustand der deutschen Ostsee- und Nordseegewässer, die die Bundesregierung und die Küstenbundesländer für die europäische Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) erstellt haben. Zu den größten Problemen zählen die Eutrophierung (Überversorgung mit Nährstoffen, 55 Prozent der deutschen Nordseegewässer), die Fischerei und die Vermüllung der Meere, vor allem mit Kunststoffen. Nicht-einheimische Arten werden weiterhin in Nord- und Ostsee eingeschleppt und gefährden heimische Ökosysteme. Etwa 90 Prozent des Mülls am Meeresboden und am Strand in der südlichen Nordsee besteht aus Kunststoffen. In den deutschen Ostseegewässern beträgt der Kunststoffanteil des Mülls am Meeresboden 40 Prozent und an den Stränden 70 Prozent.

12.12.2018Nur knapp 46 Prozent aller Kunststoffe werden in Deutschland wiederverwertet – Daraus wurden 1,9 Millionen Tonnen Rezyklat gewonnen. Für Kunststoff-Verpackungen, die nach Gebrauch typischerweise bei privaten Endverbrauchern und den gleichgestellten Anfallstellen – wie Schulen, Kantinen und Krankenhäusern – als Abfall anfallen, gilt ab 2019 eine Recyclingquote von 58,5 Prozent, ab 2022 sogar von 63 Prozent (werkstoffliche Verwertung). Recycling ist aus ökologischer Sicht zwar meist die beste Verwertungsoption, noch besser ist es aber, Abfälle erst gar nicht entstehen zu lassen.

07.12.2018Pflanzenzüchter erproben „Open-Source Saatgut“ – Pflanzenzüchter der Universität Göttingen und der Verein Agrecol haben eine gemeinsame Initiative gestartet, um Saatgut als Gemeingut zu schützen. Agrecol entwickelte eine „Open-Source Saatgut Lizenz“, die Saatgut als Gemeingut rechtlich absichert und so vor Patentierung und Sortenschutz bewahrt. „Wir beobachten mit großer Sorge, dass weltweit der Zugang zu Zuchtmaterial durch privatwirtschaftliche Interessen zunehmend eingeschränkt wird. Unter anderem Patente verhindern, dass wichtige Eigenschaften züchterisch stärker genutzt werden“, so Dr. Bernd Horneburg aus der Abteilung Pflanzenzüchtung der Universität Göttingen. „Die Bewegung für Saatgut als Gemeingut ist in den letzten sechs Jahren stärker geworden – vermutlich wegen wachsender Privatisierung und der Marktkonzentration im Saatgutsektor.“
Open-Source Saatgut wäre davon nich betroffen, jeder könnte es nutzen, weitergeben und weiterentwickeln – und zwar kostenlos. Auch Folgeentwicklungen fallen unter die Lizenz. Einzige Bedingung: Damit das Saatgut allen zugänglich bleibt, darf es nicht mit Patenten oder anderen Exklusivrechten belegt werden.
Die Cocktail-Tomate „Sunviva“ aus dem ökologischen Freiland-Tomatenprojekt der Abteilung Pflanzenzüchtung war 2017 die erste Tomaten-Sorte, die mit einer Open-Source-Lizenz ausgestattet wurde. Mittlerweile sind weitere Sorten von Tomaten, Mais und Weizen lizensiert worden, Tendenz steigend. pug

Nov.2018Insektensterben trifft alle Spezies – Das erstmals in einer Krefelder Studie im Oktober 2017 dokumentierte massive Insektensterben (Rückgang um 76 Prozent seit 1989) haben Entomologen inzwischen näher untersucht. Ergebnis: es betrifft keineswegs nur manche Arten, sondern das gesamte Spektrum. Einige der Spezies, die früher schon selten waren, fehlen in neueren Proben zum Teil ganz, haben die Forscher festgestellt. Auch bei vielen häufigeren Arten seien die in Fallen gefangenen Arten deutlich zurückgegangen.
Die Expertengruppen sind sich einig, dass für den Menschen nützliche Insekten genauso vom Schwund betroffen sind wie sogenannte Schädlinge. Zum Beispiel sind von den 480 Schwebfliegenarten, die es in Deutschland gibt, die meisten für die Bestäubung von Pflanzen ebenso wichtig wie Bienen. Und die vermeintlichen Schädlinge erfüllen eine wichtige Funktion in der tierischen Nahrungskette. Wenn Insekten verschwinden, bekommen auch viele Pflanzen ein Problem – und in der Folge auch der Mensch. Ein bundesweites Insektenmonitoring steckt noch in einer Anfangsphase. Die ersten Detailanalysen bestätigen aber jetzt schon das erschreckende Fazit von vor einem Jahr: Die Insekten verschwinden.

22.10.2018Insektensterben: Forscher verabschieden Neun-Punkte-Plan – Insektenforscher haben auf einem Symposium am Naturkundemuseum Stuttgart die wesentlichen Punkte eines vom Bundesumweltministerium beschlossenen „Aktionsprogramms Insektenschutz“ bestätigt. Ungelöst bleibe allerdings die Frage, wie sich die Forderungen in die Praxis umsetzen lassen.
An erster Stelle steht nach Auffassung der Wissenschaftler die „Einschränkung des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft“, Zulassungsverfahren müssten dringend geändert werden. Unter anderem müsse stärker berücksichtigt werden, ob Tiere Schaden nehmen, auch wenn sie durch Giftstoffe nicht gleich sterben würden. Als Beispiel verweisen sie auf Orientierungsschwierigkeiten von Honigbienen, die mit Neonikotinoiden in Berührung gekommen sind. Unter diesem Aspekt müsste man sämtliche Pestizide komplett verbieten, meint die Landschaftsökologin Alexandra-Maria Klein von der Universität Freiburg. Ob es den Insekten helfe, nur bestimmte Pestizide zu verbieten, sei fraglich, weil Landwirte dann auf andere Substanzen ausweichen würden.
Die Wissenschaftler auf dem Symposium forderten in einem Neun-Punkte-Plan unter anderem mehr Brachflächen und eine strengere Bestrafung von Landwirten, die zu viel Dünger auf ihren Feldern verteilen, zudem Pufferzonen um solche Gebiete, in denen keine Pestizide eingesetzt werden dürfen. Außerdem mangele es an sensiblen Bewusstsein in der Bevölkerung: „Alle wollen Bio, aber kaum jemand will in Kauf nehmen, dass vielleicht auch mal ein Wurm im Apfel ist oder dass es mehr Wespen gibt“, so Klein. Die Wissenschaftler befürchten darüber hinaus, dass die Bundesregierung lediglich Maßnahmen wie Blühstreifen und Brachflächen fördert, nicht aber die weitere Erforschung des Insektenschwunds und seiner Ursachen. Mit ein paar Blühstreifen lassen sich die Probleme nicht lösen.

Aug. 2018Feldlerchen vom Aussterben bedroht – Innerhalb der letzten 40 Jahre hat die Population von Feldlerchen in Deutschland um ca. 90 Prozent abgenommen; Vogelkundler schätzen die noch vorhandenen Bestände auf weniger als eine Million Brutpaare. Nirgendwo sonst tritt die Landwirtschaft neben der urbanen Flächenversiegelung als Verursacher so deutlich in Erscheinung wie bei bei diesem Indikator: seit Anfang der 50er Jahre durch den Einsatz von Pflanzengiften sowie hernach durch „Flurbereinigungsmaßnahmen“ für eine rationellere Bewirtschaftung, denen Bäume und Hecken als Lebensraum zum Opfer fielen. In den 80er Jahren kam die intensive Ausbringung von Gülle hinzu, schließlich folgten Monokulturen von Mais und anderen Pflanzen für die Futtermittelindustrie und die Energiewirtschaft (drei Viertel des in Deutschland produzierten Getreides gehen in die Tiermast, 40 Prozent vom Maisanbau in Biogasanlagen). Der damit verbundene Einsatz von Glyphosat und anderen Neonicotinoiden führte sehr wahrscheinlich zum bislang größten Insektensterben und entzieht damit nicht nur Feldlerchen, sondern einem großen Teil der Tier- und Pflanzenwelt ihre Lebensgrundlage.
In Niedersachsen wurden gelegentlich einige Flächen lerchengerecht renaturiert und etwa Blühstreifen eingerichtet, allerdings mithilfe des Landes und entsprechender Entschädigung von Ernteausfällen. Von sich aus machen nämlich Landwirte nichts. Bereits im ersten Jahr nach einer solchen Umstellung konnte der Bruterfolg bei den Bodenbrütern um mehr als 20 Prozent gesteigert werden.

Aug. 2018Autokäufer stehen Klimawandel überwiegend gleichgültig gegenüber – Autokäufer entscheiden sich mehrheitlich regelmäßig für das nächstgrößere Auto mit höherer PS-Zahl. So ist der Anteil von SUVs in Europa im ersten Halbjahr 2018 um ein Drittel gestiegen, ein Zuwachs von knapp 6 Prozent gegenüber 2017. Die spritfressenden Prestige-Autos liegen damit weit vor den Verkäufen von Kleinwagen (20,4 Prozent). Aufgrund ihres höheren Gewichts und der schlechteren Aerodynamik stoßen auch kleine oder kompakte SUVs mehr Kohlendioxid aus als andere Modelle. Zwar konnten Elektroautos und Plug-in-Hybride um 31 Prozent auf 450.200 Neuzulassungen in Europa zulegen, fallen aber mit einem Marktanteil von 5,4 Prozent weit hinter konventionell angetriebene SUVs zurück. Die Klimabilanz 2017 des Umweltbundesamtes (UBA) weist entsprechend zunehmende Emissionen für den Verkehrssektor (plus 2,3 Prozent) in Deutschland aus.

17.07.2018Gericht stoppt Volksbegehren gegen Versiegelung von Grünflächen – Grüne und zahlreiche Umweltverbände wie der BUND und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern sind mit einem beantragten Volksbegehren „Betonflut eindämmen – damit Bayern Heimat bleibt“ am Bayerische Verfassungsgerichtshof aus formalen Gründen gescheitert, der das Begehren für unzulässig erklärte. Es würde die kommunale Planungshoheit und damit das in der Verfassung garantierte Selbstverwaltungsrecht der Kommunen unzulässig einschränken. Jeden Tag wird in Bayern eine Fläche von 14 Fußballfeldern versiegelt und geht für die Natur unwiederbringlich verloren – ein Spitzenwert in der Republik. Mit dem Volksbegehren sollte der Flächenverbrauch in Bayern auf fünf Hektar pro Tag halbiert werden (statt derzeit zehn Hektar). Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte: „Wir hatten gehofft, dass die Entscheidung so kommt“ und sprach von einem „falschen Weg.“ Allerdings ist auch die Staatsregierung der Meinung, dass der Flächenverbrauch viel zu hoch sei und damit eines der größten Umweltprobleme im Freistaat. Bayern ist mit großem Abstand bundesweit Spitzenreiter beim Flächenverbrauch. Innerhalb weniger Wochen hatten die Initiatoren 48000 Unterschriften gesammelt, doppelt so viele, wie nötig gewesen wären.

05.07.2018Einzelhandel verbannt Plastikhalme – Einige deutsche Händler haben angekündigt, Trinkhalme, Einweggeschirr und Wattestäbchen aus Plastik aus der Regalen zu nehmen, noch bevor die EU-Kommission ein angekündigtes Verbot umsetzt. Die Rewe-Gruppe (mit den Töchtern Penny und Toom) will bereits Anfang 2019 beginnen, Lidl und Kaufland wollen bis Ende 2019 folgen. Sie wollen zudem bis 2025 den Kunststoffverbrauch um mindestens 20 Prozent reduzieren und nur noch Verpackungen nutzen, die zu 100 Prozent recyclingfähig sind. Nach Aussagen von Lidl würden durch den Verzicht auf Standardplastiktüten seit 2017 jährlich 3500 Tonnen Kunststoff vermieden.
Etwa 100 Milliarden Plastiktüten werden jedes Jahr allein für die Europäer hergestellt, die sie im Schnitt 20 Minuten benutzen. Die meisten von ihnen enden in der Müllverbrennung, immerhin acht Milliarden Stück landen in Flüssen, Meeren und in der Landschaft, wo sie noch Jahrhunderte zubringen, bevor sie abgebaut sind. Allerdings beträgt der Anteil von Plastiktüten am gesamten deutschen Kunststoffverbrauch nach einer Studie des Umweltbundesamtes lediglich 0,7 Prozent, sodass der Beitrag von Plastiktüten hinsichtlich der Umweltbelastungen durch Kunststoffartikel „aufgrund der geringen Gesamtmenge verhältnismäßig unbedeutend“ sei. Im Gegensatz zu Europa haben etwa China, Bangladesch, Ruanda und Papua Neuguinea bereits sehr viel drastischere Maßnahmen, bis hin zu Totalverboten, ergriffen.

Mai 2018„Was der Mensch heute anstellt, ähnelt eher dem Asteroideneinschlag an der Kreide-Paläogen-Grenze. Dass so etwas jetzt geschieht, in diesem Tempo, auf einem überbevölkerten, übernutzten Planeten, gleicht einem kollektiven Suizidversuch.“
Prof. Hans Joachim Schellnhuber, ehem. Vors. des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen. Quelle: SZ v. 15. Mai 2018.

Frühjahr 18EU-Kommission will Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) reformieren – Neue Vorschläge der EU-Kommission für eine Gemeinsame Agrarpolitik lassen nichts Gutes für den Naturschutz vermuten. Hat die Staatengemeinschaft bislang zwischen 2014 und 2020 408 Milliarden Euro als immerhin zweitgrößten Posten im Etat dafür bereitgestellt, von denen allerdings nur etwa vier Prozent dem Naturschutz vorbehalten waren, so sollen es angesichts des bevorstehenden Brexits ab 2021 nur noch 365 Milliarden Euro sein. Entsprechend weniger fällt für eine nachhaltige Bewirtschaftung an. Da diese Subventionen als Direktzahlungen an die Landwirte gezahlt werden, können diese weitgehend damit machen, was sie wollen. Ertragsmindernde Landschaftspflege durch naturbelassene Teilflächen und damit zum Artenschutz dürften deshalb ohne weitere finanzielle Anreize sicherlich zur Ausnahme gehören (vgl. dazu auch →Aug. 2018: Feldlerchen vom Aussterben bedroht). Der Naturschutzbund NABU bezeichnet eine solche Mittelverteilung als „Drama für die Artenvielfalt“ (Die Zeit 35, 23.08. 2018). Der ehemalige Leiter der Vogelwarte in Radolfzuell und bekannte Vogelkundler Peter Berthold, der nicht daran glaubt, dass die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind noch ändern könnten, ist noch deutlich skeptischer: „Ändern würde sich nur etwas durch eine Art Mais-Aids oder die Afrikanische Schweinepest oder eine Geflügelseuche oder am besten alles drei.“

28.04.2015EU gegen Plastiktüten – Das Europaparlament hat eine Richtlinie verabschiedet, durch den der Verbrauch von Plastiktüten bis 2025 drastisch eingeschränkt werden soll. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von seinerzeit rund 200 dünnen Kunststofftüten soll danach bis 2019 auf 90 reduziert werden, bis 2025 sogar auf durchschnittlich 40 Tüten pro Jahr und Bürger. Dies ist lediglich eine Zielvorgabe, über deren Umsetzung jeder Mitgliedstaat selbst entscheiden kann. Bis Ende 2018 können Regierungen Gebühren oder Pfand für Plastiktüten erheben, die auf Verbraucher abschreckend wirken sollen, oder auch herkömmliche Kunststofftüten ganz verbieten. Andernfalls müssen sie andere Maßnahmen ergreifen, um die Vorgaben bis 2019 beziehungsweise 2025 zu erfüllen.

2019